Basisernährung im Bodybuilding – Teil II: Kalorien-Management
1. März 2010 | Von Holger Gugg | Kategorie: Aktuelles, Holger Gugg
Liebe Blog-Leser und treue Peak Kunden,
nachdem ich mich in Teil 1 meines 4-Teilers ausreichend mit der Zusammenstellung der Makronährstoffe beschäftigt habe, fehlt nun nur noch 1 wichtige Komponente, um diese Vorgaben in handfeste Werte (Gramm/Makronährstoff/Tag) für maximalen Muskelzuwachs bei möglichst geringem Anstieg des Körperfettgehalts zu manifestieren.
Bevor ich mit konkreten Berechnungs- und Bedarfsempfehlungen befasse, möchte ich einen kleinen Einblick in das Thema „Kalorimetrie“ geben. Ein Thema ist immer leichter zu behandeln, wenn man dessen Wurzeln kennt.
1. Brennwerte/Kalorien
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a) Physikalischer Brennwert
Bei der Verbrennung von Makronährstoffen werden gewisse Mengen an Energie in Form von
Wärme frei:
- Kohlenhydrate 4,1 kcal
- Protein (Eiweiß) 5,6 kcal
- Fett 9,3 kcal
- Alkohol 7,0 kcal
b) Physiologischer Brennwert
Dies ist der tatsächliche Energiebeitrag, den ein Makronährstoff aus seiner Verbrennung bereitstellt:
- KH 4,1 kcal
- Protein (Eiweiß) 4,1 kcal
- Fett 9,3 kcal
- Alkohol 7,0 kcal
Proteine werden nur unvollständig abgebaut, daher vermindert sich auch hier der tatsächlich verfügbare Brennwert.
c) Verbleib der Nahrungsenergie
Nahrungsenergie
- Stuhl
= Resorbierte Energie
- Harn
= Metabolisierte Energie
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Die metabolisierte Energie wird verwendet:
- zur Thermogenese (Wärmeentstehung), welche nahrungs- und arbeitsinduziert ist.
- als Netto-Energie für Muskelarbeit, Wachstum, Transport, Turnover von Proteinstrukturen etc.
2. Bestimmung des Energieumsatzes
Zur Bestimmung des Energieumsatzes existieren mehrere Verfahren, welche ich hier in aller Kürze benennen und erklären möchte:
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a) Bombenkalorimetrie
- Kammer mit Wassermantel, in welcher ein Energieträger verbrannt wird.
- Die Erwärmung des Wassermantels bestimmt den Bruttoenergiegehalt.
b) Direkte Kalorimetrie
- Erwärmung eines Raumes durch Körperwärme aufgrund Stoffwechselaktivität einer Testperson bestimmt den Energieumsatz.
c) Indirekte Kalorimetrie
- Verbrennung ist gekoppelt an Einatmen von Sauerstoff und Ausatmen von CO2
- Durch deren Verhältnis ergibt sich der respiratorische Quotient, welcher für Quantität und Qualität der oxidierten Nährstoffe und somit den Energieumsatz steht.
3. Grundumsatz
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a) Definition Grundumsatz
Energiebedarf in liegendem Zustand ohne jegliche Bewegung bei einer Zimmertemperatur von 27-30 Grad. Die letzte Mahlzeit sollte vor der Bestimmung 12-14 Stunden stattgefunden haben.
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b) Wofür wird diese Energie benötigt
- Gehirn 25%
- Leber ca. 20%
- Muskulatur ca. 25% (nicht beim Bodybuilder)
- Nieren ca. 10%
- Herz 10%
- Fettgewebe 10%
c) Unterschied Energieumsatz Muskel- und Fettgewebe
Anhand der obigen Darstellung wird bereits ersichtlich, dass Muskelmasse wesentlich stoffwechselaktiver ist als Fettgewebe. So benötigt
- 1kg Muskelmasse ca. 15kcal/Tag
- 1kg Fett ca. 3kcal/Tag
d) Weitere den Grundumsatz beeinflussende Faktoren
- Geschlecht
- Hormonspiegel
- Körpergewicht
- Körpergröße und Oberfläche
- Alter
e) Berechnung des Grundumsatzes
a) Grobe Faustformel
Diese Formel gilt als grobe Richtlinie. Sie berücksichtigt aber keinerlei individuelle Gegebenheiten der Einzelperson
Mann: 1,0kcal/kgKG/Stunde
Frau 0,9kcal/kgKG/Stunde
b) Harris&Benedict
Diese Formel ist etwas genauer, da Sie folgende Faktoren berücksichtigt:
- Geschlecht
- Alter
- Gewicht
- Körpergröße
Formel Mann
GU (kcal) = 66 + (13,8 x Gewicht in kg) + (5,0 x Größe in cm) – (6,8 x Alter in Jahre)
Formel Frau
GU (kcal) = 66 + (9,5 x Gewicht in kg) + (1,9 x Größe in cm) – (4,7 x Alter in Jahre)
4. Leistungsumsatz und Gesamtkalorienbedarf
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a) Definition
- Gilt als Maß für die körperliche Aktivität einer Person
- Ergibt zusammen mit dem Grundumsatz den Gesamtkalorienbedarf
b) Ermittlung nach PAL-Verfahren
- PAL ist ein Multiplikator des Grundumsatz, mit welchem der Gesamtenergiebedarf bestimmt werden kann
Formel: GU x PAL-Wert = Gesamtenergiebedarf
PAL-Werte je Tätigkeit (Beispiele)
Schlaf 0,95
Sitzende Tätigkeit – keine/wenig körperliche Aktivität 1,4-1,5
Sport, Anstrengende Tätigkeit 2,0-2,4
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PAL-Wert-Bestimmung
Anhand der o.g. Werte wird ein Durschnittswert pro Tag ermittelt, welcher dann in o.g. Formel eingesetzt wird.
c) Weitere, den Leistungsumsatz bestimmende Faktoren
Diese Faktoren nehmen ebenfalls Einfluss auf den Gesamtenergiebedarf. Für die praktische Bestimmung des Gesamtkalorienbedarfs
a) Verdauungsverluste der Makronährstoffe
Ein Teil der Nahrungsenergie wird makronährstoffabhängig mit dem Stuhl wieder ausgeschieden. Die tatsächliche Energieausbeute stellt sich wie folgt dar:
- Protein 85-95%
- Fette 97%
- KH 98%
b) Nahrungsabhängige Thermogenese
Nährstoffe liefern Energie, verbrauchen aber auch Energie bei dessen Verarbeitung.
Dieser Energiebedarf müsste bei einer genauen Berechnung vom Gesamtkalorienbedarf berücksichtigt werden:
..
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d) Alternative Aufnahmeform des tatsächlichen Kalorienverbrauch – SenseWear-Analyse
In der Sportmedizin ist es seit einiger Zeit möglich, den tatsächlichen Kalorienbedarf über 24 Stunden in einer Art „Langzeit-Diagnose“ zu bestimmen
Sense-Wear-Armband
Dies wird ermöglicht durch ein Analyse Armband, welches 24 Stunden am rechten Trizeps getragen wird und über verschiedenste Sensoren den individuellen Kalorienumsatz des Trägers ermittelt.
Interessierte Blog-Leser können sich hierzu gerne an mich wenden.
5. Zusammenfassung
Wir haben in Teil 2 die Kalorimetrie inkl. der Berechnung und Aufnahme der verschiedenen Energieumsätze kennengelernt.
Nun brauchen wir nur noch das Puzzle zusammenzusetzen, um so anhand der Gesamtkalorien unsere Makronährstoffe für den Tag zu errechnen.
Beispiel für isokalorische* Ernährung
Vorgaben
Errechneter Gesamtenergieumsatz am Trainingstag 3000kcal
Körpergewicht 85kg
Berechnung
Protein 2gr pro kg/KG 170gr 697kcal
Fett 40% d. Gesamtkalorien 129gr 1200kcal
KH Kaloriendifferenz 269gr 1103kcal
* Für Hypertrophie- und Kraftaufbau sollte man sich im leicht hyperkalorischen Bereich
befinden, daher sollten hier ca. 300-500kcal zu Gunsten der KH oder Fette (je nach
Stoffwechseltyp) dazu gegeben werden.
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6. Schlusswort
Anhand meines (ich gebe zu sehr theoretischen) Teil 2 der Blog-Reihe Basisernährung für Bodybuilding besteht nun die Möglichkeit, sich selbständig einen individuellen Ernährungsplan mit richtiger Makronährstoffverteilung zu erstellen.
Die vorgegebenen Berechnungsgrundlagen und Gewichtungen sind nur allgemeine Vorgaben und müssen oftmals individuell anhand einer Anamnese der bisherigen Ernährung und des Körpertyps angepasst und verändert werden.
Wer sich unsicher ist oder nicht die notwendige Zeit hierfür aufbringen kann, hat die Möglichkeit diese Aufgabe in die Hände eines Ernährungsberaters zu geben.
In jedem Fall haben Sie nun das nötige Verständnis für die sinnvolle Gestaltung eines Ernährungsplanes im Bodybuilding und können gute von weniger guten Ausarbeitungen unterscheiden.
Ich wünsche viel Erfolg bei der Umsetzung.
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In Teil 3 beschäftigen wir uns mit einem weiteren wichtigen Puzzleteil der Basisernährung, nämlich der Zufuhr von Mikronährstoffen und Ballaststoffen.
Bis dahin verbleibe ich mit sportlichem Gruß
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Holger Gugg
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Hallo,
guter Beitrag… ich möchte noch anmerken, dass die 300-500 kcal Überschuss für Hypertrophie und Kraftaufbau am Besten zugunsten von 50 bis 80 g hochglykämischer Kohlenhydrate und 5 bis 10 g schneller Fette (CLA, DHA, EPA, GLA, Leinöl) in Verbindung mit Whey Protein gleich nach dem Training zugeführt werden sollen. Durch die gesteigerte Durchblutung der Muskulatur nach dem Training wird die Energerie hauptsächlich ins Muskelgewebe gelenkt und man baut weniger Körperfett auf, als wenn man die Energie über den Tag verteilt.