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Essstörungen – Wenn Essen schwer oder gar unmöglich wird - Teil 2

von Gastautor Daniel Ebenthal

Liebe Blogleserinnen und Blogleser, liebe PEAK-Kundinnen und –Kunden,

EssstörungenEssstörungen sind psychosomatische Erkrankungen, die durch schwere Störungen des Essverhaltens gekennzeichnet sind und eine ernstzunehmende Gefahr für die Gesundheit darstellen.

In Teil 1 der Serie habe ich Ihnen einen kleinen Überblick in dem Bereich der Essstörungen gegeben. In dem zweiten Teil möchte ich Ihnen näher bringen, wie und woran Essstörungen zu erkennen sind.

 

Diagnostik bei Essstörungen

Unter  dem Begriff Diagnostik werden alle Maßnahmen zusammengefasst, die dazu dienen, Krankheiten zu erkennen. Zu den Maßnahmen zählen unter anderem die Anamnese, körperliche Untersuchungen und weiterführende apparative Untersuchungen, aber auch eine Analyse des Körpergewebes, des Blutes oder der Ausscheidungen.

Bei der Diagnostik von Essstörungen sei zu aller erst hervorgehoben, wie wichtig gerade in dem Bereich der Essstörungen die Früherkennung ist, um schwere Folgeprobleme und die Chronifizierung zu unterbinden.

Unter – oder Übergewicht

Bei dem Gewicht gilt bei Erwachsenen in der Regel der BMI als geeignete Formel, um Über – oder Untergewicht klassifizieren zu können (BMI = Körpergewicht in kg/Körpergröße in m²). Für Kinder und Jugendliche werden Perzentiltabellen verwendet. Allerdings kann in dem Kinder – und Jugendalter das Problem auftreten, dass bei ihnen das Längenwachstum durch die Essstörung nicht sehr stark ausgeprägt ist. Neben dem aktuellen Gewicht ist auch der Gewichtsverlauf interessant – z.B. die Schnelligkeit der Gewichtsabnahme oder Zunahme. Dauerhaftes Untergewicht kann bezüglich kardiovaskulärer Risiken weniger riskant sein, als ein schneller Gewichtsverlust. Die folgende Klassifikation gilt für beide Geschlechter im Erwachsenenalter.

Die Klassifikation sieht wie folgt aus:

BMI Essstörungen            

Aus klinischer Sicht wird nochmal eine weitere Einteilung der niedrigsten Stufe (hochgradiges Untergewicht) unternommen. Hierfür existiert nochmal die Unterteilung in hochgradiges Untergewicht Grad I mit BMI 13 bis 15,99 kg/m² und hochgradiges Untergewicht Grad II (BMI <13 kg/m²). Als Grund gilt die erhöhte Mortalität (Sterblickeit) eines Erkrankten mit BMI <13kg/m².

Allerdings ist die Bewertung des Gesundheitsrisikos mit Hilfe des BMI eingeschränkt. Folgende Ausnahmen sollten beachtet werden: Der BMI liefert keine Korrelation von Fettmasse zur Muskelmasse. Diese Ausnahme findet vor allem im Kraftsport und Bodybuilding Bedeutung. Menschen, die regelmäßig Sport treiben und aktiv sind, können einen BMI, der ein Übergewicht oder sogar den Adipositas Grad I durchaus erreichen, ohne einen großen Körperfettanteil zu haben. Sie sind demzufolge nicht Adipös. Weiterhin ist zu berücksichtigen, ob Wassereinlagerungen (Ödeme) mögliches Untergewicht verschleiern und Risiken so nicht wahrgenommen werden können.

Körpergewicht und Selbstwertgefühl

Häufig findet sich bei Erkrankten eine Selbstbewertung als „zu dick“, trotz eines normalen und gesunden Körpergewichtes. Als krankhaft gilt hier vor allem, dass derartige Gedanken einen wesentlichen Raum einnehmen und das Selbstwertgefühl mindern. Weiterhin führen die Gedanken zu dysfunktionalem Verhalten.

Das Körpergewicht wird regelmäßig überprüft, um Veränderungen des Körpergewichtes zu kontrollieren. In der Regel werden hochkalorische, fetthaltige oder kohlenhydrathaltige Mahlzeiten gemieden und Mahlzeitenbestandteile oder ganze Mahlzeiten ausgelassen.

„Essanfälle“

Der klassische „Essanfall“ beschreibt eine Episode von Nahrungszufuhr, bei der die übliche

Kontrolle verloren geht. Die Aufnahme der Kalorien übersteigt in der Regel die einer üblichen Mahlzeit. An dieser Stelle möchte ich die Sportler unter uns beruhigen: Eine Ausnahme von dieser Regel stellen Mahlzeiten dar, die an Tagen mit intensiver körperlicher Arbeit oder sportlicher Betätigung erfolgen. Bei einem „Essanfall“ werden üblicherweise Lebensmittel verzehrt, die für den Betroffenen ansonsten „verboten“ sind. Bei einer länger bestehenden Essstörung werden „Essanfälle“ auch oft geplant, d.h., es werden Lebensmittel gezielt für den „Essanfall“ eingekauft und es wird dafür gesorgt, dass niemand störend in einen „Essanfall“ eingreifen kann.

Essstörungen

Gegensteuerndes Verhalten

Unter gegensteuerndem Verhalten wird ein Spektrum zielorientierter Verhaltensweisen zusammengefasst, die dazu dienen, aufgenommene Energie und Flüssigkeit möglichst schnell wieder aus dem Organismus zu entfernen. Das „Purging – Verhalten“ umschreibt Maßnahmen, die Erbrechen oder den Stuhlgang fördern. Das Erbrechen kann bereits automatisiert erfolgen, nach mechanischer Reizung des Rachenraums oder unterstützt durch chemische Substanzen (Salzlösungen oder Radix Ipecacuanha). Andere „gegensteuernde“ Verhaltensweisen sind exzessives Sporttreiben, die Einnahme von Schilddrüsenhormonen oder die Exposition gegenüber Kälte oder Hitze (z.B. Sauna).

Medizinische Diagnostik für die Erkennung von Essstörungen

Die medizinische Diagnostik beinhaltet als Minimum folgende Elemente: Körpergröße und Körpergewicht sowie Blutdruck und Puls.

Inwieweit eine vitale Gefährdung durch Untergewicht oder Folgen des Erbrechens vorliegt, kann durch weitere Werte analysiert werden. Zu diesen zählen Untersuchungen des Betroffenen auf Ödeme, das Blutbild, Leberfunktionstest, Creatinin oder das Elektrokardiodiagramm.

Fazit:

Interessant ist, dass Athleten im Kraftsportbereich oder in anderen Sportarten besonders hervorgehoben werden und dass es nicht immer einfach ist, den BMI als Index festzulegen, um ein Über – oder Untergewicht zu diagnostizieren. Definitionsphasen und Massephasen gehören im Kraftsportbereich dazu. Schwierigkeiten treten auf, wenn in diesen Phasen die Kontrolle verloren geht. In diesem Sinne viel Erfolg beim Anstreben Eurer Ziele!

Mit sportlichen Grüßen

Ihr

Daniel Ebenthal

 

Quellen:

Literatur:

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