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Essstörungen - Wenn Essen schwer oder gar unmöglich wird - Teil 3

von Gastautor Daniel Ebenthal

Liebe Blogleserinnen – und Blogleser,

Essstörungen Magersuchtin Teil 1 habe ich Ihnen einen Überblick über die einzelnen Formen der Essstörungen gegeben, der zweite Teil setzte sich mit der Diagnostik auseinander. In diesem Blog möchte ich nun näher auf die Behandlungen bzw. die Behandlungsmöglichkeiten von Essstörungen eingehen.

Da sich Behandlungen unter den Formen der Essstörungen unterscheiden, werde ich einzeln auf die Formen eingehen und dabei das Hauptaugenmerk auf die drei in Deutschland bestehenden Behandlungssettings legen: Ambulant, tagesklinisch (teilstationär) und stationär. In meinem heutigen Artikel werde ich mich der Magersucht (Anorexia Nervosa) widmen.

Essstörungen – Wenn Essen schwer oder gar unmöglich wird - Teil 1

Essstörungen – Wenn Essen schwer oder gar unmöglich wird - Teil 2

Die Behandlung bei Anorexia Nervosa (Magersucht) Patienten

Bei Patienten mit der Anorexia Nervosa (Magersucht) empfiehlt sich eine kontinuierliche Behandlung, die von Fachpersonal durchgeführt werden sollte. Dabei muss in der Regel berücksichtigt werden, dass die Heilung ein langwieriger Prozess ist, der Monate oder gar Jahre andauern kann. Eine erfolgreiche Behandlung setzt voraus, dass der Erkrankte bereit ist und sich wünscht, ein neues Leben anzufangen und grundlegendes in seinem Leben zu ändern.

Behandlungsziele

Zusammen mit den Erkrankten sollte ein für die Größe angemessenes Körpergewicht erreicht und dann auch gehalten werden. Weiterhin ist die Behandlung von eventuell entstandenen körperlichen Folgen in den Vordergrund zu stellen.

Nicht zu vergessen sind auch die soziale Integration des Erkrankten und oft auch das „Nachholen“ verpasster Entwicklungsschritte sowie eine „Normalisierung des Essverhaltens“.

Behandlungsmöglichkeiten

Ambulante Behandlung

Die ambulante Psychotherapie sollte bei der Anorexia Nervosa immer auf verschiedene Problembereiche des Erkrankten eingehen. Zu diesen zählen unter anderem das Essverhalten und das Gewicht. Es ist weiterhin bedeutsam, dem Erkrankten die körperliche Gefährdung durch das Untergewicht deutlich zu machen und das dieser sich über mögliche Folgeschäden bewusst ist. Hinzu kommt, dass psychische Problembereiche, wie beispielsweise Probleme mit dem Selbstwert und dem leistungsorientierten Denken in der Therapie Berücksichtigung finden. Auch zwischenmenschliche Schwierigkeiten und das soziale Umfeld des Betroffenen sind zu beachten.

Im ambulanten Setting wird eine durchschnittliche Gewichtszunahme von 250 Gramm pro Woche angestrebt. Die erwünschte Gewichtszunahme pro Woche kann aber nach Absprache mit dem behandelnden Psychotherapeuten variieren.

Neben den Gesprächen findet oft auch eine Ernährungsberatung statt. In dieser soll dem Erkrankten aufgezeigt werden, wie eine ausgewogene und gesunde Ernährung aussehen könnte. Allerdings sollte der Ernährungsberater Erfahrungen mit essgestörten Patienten haben.

Tagesklinische Behandlung

Die tagesklinische Behandlung ist für eine ausgewählte Gruppe von Patienten besonders zu empfehlen: Sollte ein chronischer Verlauf mit wiederholten stationären Aufenthalten in der Vorgeschichte vorliegen, aber eine Verbesserung der Tagesstrukturierung und der sozialen Einbindung auf Seiten des Patienten erwünscht werden, empfiehlt sich die tagesklinische Behandlung. Weiterhin empfiehlt sich eine tagesklinische Behandlung, wenn Patienten nicht noch zeitgleich Zwangserkrankungen oder andere Erkrankungen haben und sich die ambulante Therapie als nicht mehr ausreichend erweist. Zu guter Letzt dient die tagesklinische Behandlung auch oft als Übergangshilfe zwischen einem stationären Aufenthalt in einer ambulanten Therapie.

Stationäre Behandlung

Die stationäre Behandlung ist in den meisten Fällen notwendig. Die Patienten haben in der stationären Behandlung die Chance in einem „geschützten“ Rahmen ihre Probleme aufzuarbeiten und an Gewicht zuzunehmen. Das Primärziel ist die Wiederherstellung des Gewichtes. In der stationären Behandlung empfiehlt sich weiterhin eine „Stabilisierungsphase“, in der der Erkrankte sein Gewicht über einen Zeitraum von 2 – 4 Wochen hält, um die Rückfallquote stark einzuschränken.

Folgende Kriterien sprechen für eine stationäre Behandlung:

  • Rapider Gewichtsverlust innerhalb der letzten sechs Monate (<20%)
  • Gravierendes Untergewicht
  • Fehlender Erfolg der ambulanten Behandllung
  • Gewichtsverlust oder unzureichende Zunahme trotz ambulanter oder tagesklinischer Behandlung
  • Familiäre Probleme, die eine Genesung zu Hause unmöglich macht bzw. behindert
  • stark ausgeprägtes Krankheitsbild und Symptomatik (häufige Essanfälle, exzessiver unkontrollierbarer Bewegungsdrang, häufiges Erbrechen)

Essstörungen

Der stationäre Aufenthalt kann sich von Fachklinik zu Fachklinik unterscheiden. Häufig werden Therapien in Gruppen abgehalten, die durch Einzeltherapien ergänzt werden. Einzeltherapien finden aber nicht in der Häufigkeit statt wie Gruppentherapien. In einer Fachklinik wird zudem versucht, die Familie mit in die Therapie mit einzubeziehen. Weiterhin wird den Erkrankten durch verschiedene Angebote die Möglichkeit gegeben, sich abzulenken und kreativ tätig zu werden. Bastel – oder Malangebote als Beispiele.

In einer Fachklinik wird zudem angestrebt, mit dem Erkrankten „Verbote“ bei der Lebensmittelauswahl aufzuheben und zunächst ein geregelte Mahlzeitenaufnahme mit Hilfe eines strukturierten Essplans zu gewährleisten. Nicht zu vergessen ist, dass Erkrankten durch spezielle Übungen ihr falsches Körperbild verdeutlicht wird. Dabei soll beispielsweise der Patient mit einem Seil seinen geschätzten Körperumfang legen, der dann anschließend mit einem weiteren Seil in Wirklichkeit aufgezeigt wird. An dieser Stelle wird oft deutlich, dass ein Erkrankter sich trotz bestehenden Untergewichtes als zu dick sieht. Ein weiteres Mittel ist die Videokonfrontation. In einer Videokonfrontation bewegt sich der Patient oberkörperfrei in einem Raum und wird dabei gefilmt. Anschließend erfolgt die Auswertung mit einem Therapeuten.

Der Übergang von der stationären Phase in die ambulante Phase findet bei den Erkrankten und in der Familie zu wenig Aufmerksamkeit. Bevor der Patient entlassen wird, empfiehlt es sich, ihn über mögliche Risiken aufzuklären. In der Regel bekommt der Erkrankte einen Essensplan an die Hand, der ihm in der ersten Zeit helfen soll. Solange bis er sich mit dem Essen wieder sicherer fühlt.

Fazit

Gerade bei der Anorexia Nervosa gilt besondere Vorsicht, da das Untergwicht schnell für organische Probleme sorgen kann. Im stationären Bereich zeigt sich eine erhöhte Gesundungsrate. Aber bei allen Therapien findet eine Genesung nur statt, wenn der Patient auch gewillt ist, gesund zu werden und dazu bereit ist, einen doch teilweise langen Weg zu gehen, der nicht immer leicht sein wird und viel Kraft kostet.

Mit sportlichen Grüßen

Daniel Ebenthal

Quellen:

Literatur:

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