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Essstörungen – Wenn Essen schwer oder gar unmöglich wird - Teil 3.2: Binge-Eating-Störung

von Gastautor Daniel Ebenthal

Liebe BlogleserInnen – und Blogleser,

Binge Eating Störungin meinem ersten Teil zum Thema Essstörungen habe ich Ihnen eine allgemeine Übersicht in Bezug auf Essstörungen dargelegt. Der zweite Teil widmete sich der Diagnostik und in den Teilen 3 und 3.1 wurden die Behandlungsmöglichkeiten der Magersucht und Bulimie thematisiert.

Der folgende Artikel befasst sich nun mit den Behandlungszielen, den Behandlungsverfahren und den möglichen Behandlungssettings der Binge – Eating – Störung. Die Behandlungsverfahren geben einen Überblick über mögliche Therapieansätze. Die Behandlungssettings spiegeln den Rahmen wieder, in denen die Therapie der Binge – Eating – Störung stattfinden kann.

Behandlungsziele

Die Behandlungsziele einer Binge – Eating – Störung, die durch häufig auftretende Essanfälle charakterisiert ist, sind in vielen Fällen zusammen mit dem Therapeuten und dem Erkrankten individuell festgelegt. Grund für diese oftmals durchgeführte individuelle Planung sind die Vielzahl von Ursachen, die eine Binge – Eating – Störung haben kann. Daraus ergibt sich eine unterschiedliche Symptomatik auf körperlicher, psychischer und sozialer Ebene, die individuelle Planung voraussetzt. Weiterhin sollten sowohl die Lebenssituation, als auch andere persönliche Faktoren berücksichtigt werden. Die meisten Erkrankten müssen zeitgleich gegen Adipositas behandelt werden.

Behandlungsziele im Überblick:

  • Behandlung der Symptome (Essanfälle, Übergewicht/Adipositas, essstörungsspezifische Psychopathologie)
  • Behandlung weiterer psychischer Beschwerden (Selbstwert – und Schamproblematik, Affektregulation)
  • Behandlung komorbider Störungen (z.B. Depressionen, soziale Angst)
  • Prävention und Rückfallprophylaxe

Dennoch schließen sich die einzelnen Behandlungsziele nicht aus, noch sind sie voneinander unabhängig. (de Zwaan, 2002)

Essstörungen Binge Eating

Behandlungsverfahren

Psychotherapie

Bei der Psychotherapie erwies sich vor allem die kognitive Verhaltenstherapie als äußerst erfolgreich. In dieser werden unter anderem Selbstbeobachtung, kognitive Techniken und das Ernährungsmanagement eingesetzt. Weiterhin sind Techniken und Fertigkeiten trainiert worden, die bei der Bewältigung von emotionalen und interpersonellen Auslösebedingungen der Essanfälle helfen sollen. Untersuchungen erwiesen, dass mit Hilfe der Therapieform Essanfälle reduziert werden konnten, aber es kam zu keinen Fortschritten bei der Gewichtsreduktion.

Strukturierte Selbsthilfe

Weitere Untersuchungen zeigten einen positiven Effekt bei der Durchführung der strukturierten Selbsthilfe. Der Inhalt der strukturierten Selbsthilfe entspricht weitestgehend der kognitiven Verhaltenstherapie. Die Erkrankten erhalten in diesem Setting Arbeitsmaterialien, die Informationen über ihre Erkrankung und Schritte zur Überwindung von Essanfällen beinhalten. Wie bei der kognitiven Verhaltenstherapie konnten auch hier Essanfälle reduziert werden. Allerdings sind auch hier keine Fortschritte bei der Gewichtsreduktion zu erkennen und es ist anzumerken, dass die Anzahl der Studien, die sich mit der Selbsthilfe auseinandersetzen, gering ist. (Vocks et al., 2009)

Pharmakotherapie

In Deutschland ist kein Medikament für die Behandlung der Binge – Eating – Störung zugelassen. Eine begleitende Medikation neben der kognitiven Verhaltenstherapie erbrachte keine Verbesserung bei der Essstörungssymptomatik. Es waren auch nur geringe Effekte im Bezug zur Gewichtsreduktion festzustellen. (Grilo et al., 2005 ; Ricca et al., 2001)

Gewichtsmanagement

Laut Mitchell et al. (2008) zeigt sich eine Teilnahme bei Gewichtsreduktionsprogrammen der Erkrankten von 10 – 25%. Mit Hilfe dieser Programme wird ein gesünderer Lebensstil angestrebt. Das Hauptaugenmerk liegt bei einer gesünderen Ernährung und der Bewegung. Untersuchungen zeigten sowohl eine positive Wirkung des Programmes für adipöse Menschen mit einer Binge – Eating – Störung, als auch für adipöse Menschen ohne Binge – Eating – Störung. (Wonderlich et al., 2003)

Behandlungssettings

Ambulante und stationäre Behandlung

In Deutschland existieren sowohl im ambulanten, als auch im stationären bzw. teilstationären Bereich Behandlungsmöglichkeiten

Ambulante Behandlung

Der ambulanten Behandlung ist vorzuziehen, dass der Erkrankte das Erlernte der Behandlung im Alltag umsetzen kann. Hervorzuheben sind vor allem die Aspekte der Ernährung und Bewegung, aber auch Affektregulationen und gezügeltes Essen. In der Regel sollten Erkrankte zunächst ambulant behandelt werden.

Stationäre Behandlung

Die stationäre Behandlung soll Erkrankten helfen, wenn die Begleiterkrankungen, aber auch die Binge – Eating – Störung, in einem Ausmaß vorliegt, in denen eine ambulante Behandlung nicht mehr ausreichen würde. Weiterhin kann eine stationäre Behandlung für diejenigen vorteilhaft sein, die aufgrund familiärer Belastungen von der Familie getrennt werden sollten. Es ist allerdings durchaus möglich, dass Familie und das soziale Umfeld des Erkrankten zu sehr an dessen Krankheit gelitten haben. Nach Absprache mit Familie, Therapeut und Erkrankten kann eine stationäre Therapie an dieser Stelle ebenso angebracht sein.

In der stationären Behandlung finden sich oft auch mehr Behandlungsmöglichkeiten. Die Erkrankten können von einer Einzel – und Gruppentherapie profitieren. Die Einzeltherapie hilft vor allem bei spezifischen Problemen. In der Gruppentherapie kann der Erkrankte an sozialen Ängsten oder Persönlichkeitsstörungen arbeiten. Das stationäre Umfeld erlaubt ihnen eine sicherer Umgebung, in denen er in Ruhe und ohne andere Belastungen von außen an der Krankheit arbeiten kann. Vorteilhaft ist auch, dass Krankenpfleger und Ärzte sich mit der Erkrankung auskennen und wissen, wie damit umzugehen ist und dass in seiner Umgebung Personen sind, die ähnliche Probleme haben wie der Erkrankte selber.

Verlauf der Therapie

Schauen wir uns den Verlauf nach der Therapie an. In Untersuchungen rund um Fichter et al. (2008) wurden 64 Patientinnen mit einer Binge – Eating – Störung in einem Untersuchungszeitraum von 12 Jahren beobachtet. Das Ergebnis: 67% hatten keine Diagnose in Bezug auf eine Essstörung, 13% wiesen eine Essstörung der Restkategorie auf, 8% hatten nach wie vor eine BES – Diagnose und 9% hatten eine Essstörung mit dem Purging – Type. Die restlichen drei Prozent erlagen ihrer Krankheit. Diese Studie und weitere wissenschaftliche Untersuchungen deuten auf eine Genesung in gut zwei Drittel der Fälle hin. Eine Prognose der Binge – Eating – Störung stellt sich im Hinblick der Symptomatik und anderer psychologischer Parameter günstiger als eine Bulimie oder Anorexie dar (Fichter et al., 1998; Cachelin et al., 1999; Fairburn et al., 2000).

Fazit

Meiner Meinung nach sind alle psychischen Erkrankungen sehr ernst zu nehmen. Bricht man sich einen Arm oder Bein, dann kann man durchaus davon ausgehen, dass der Genesungsprozess in einer Zeitspanne von ein paar Wochen abgeschlossen ist. Bei psychischen Erkrankungen ist eine Aussage über die Dauer der Erkrankung leider nicht ohne weiteres möglich. Weiterhin ist nicht auszuschließen, dass Rückfälle der Genesung im Weg stehen. Dennoch halte ich die bereits bestehenden Settings in Deutschland für sehr gut durchdacht. An oberste Stelle sehe ich die Notwendigkeit, bei Erkrankungen wie der Essstörung zu reagieren und das möglichst schnell. Je länger man sich in dieser „Teufelsspirale“ befindet, desto schwieriger wird es auch, aus dieser wieder auszubrechen.

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Literatur

Cachelin, F. M.; Striegel-Moore, R. H.; Elder, K. A.; Pike, K. M.; Wilfley, D. E.; Fairburn C.G. (1999). Natural course of a community sample of women with binge eating disorder. Int J Eat Disord, 25 (1),45-54

De Zwaan, M. (2002). Binge eating disorder (BED) und Adipositas.Verhaltenstherapie, 12(4), 288-95

Fairburn, C. G.; Doll, H. A.; Welch, S. L.; Hay, P. J.; Davies, B. A.; O'Connor, M. E. (1998). Risk factors for binge eating disorder: a community-based case-control study.ArchGen Psychiatry; 55 (5), 425-32

Fairburn, C. G.; Cooper, Z.; Doll, H. A.; Norman, P.; O’Connor, M. (2000). The natural course of bulimia nervosa and binge eating disorder in young women.Arch GenPsychiatry, 57 (7), 59-65

Fichter, M. M.; Quadflieg, N.; Hedlund, S. (2008). Long-term course of binge eating disorder and bulimia nervosa: relevance for nosology and diagnostic criteria.Int J Eat Disord,41 (7), 577-86.

Grilo, C. M.; Masheb, R. M.; Wilson, G. T. (2005). Efficacy of cognitive behavioral therapy and fluoxetine for the treatment of binge eating disorder: a randomized double-blind placebo-controlled comparison.Biol Psychiatry, 57 (3)

Mitchell, J. E.; Devlin, M. J.; de Zwaan, M.; Crow, S. J.; Peterson, C. B. (2008). Binge-eating disorder: clinical foundations and treatment. New York: The Guilford Press

Ricca, V.; Mannucci, E.; Mezzani, B.; Moretti, S.; Di Bernardo, M.; Bertelli, M. et al. (2001).Fluoxetine and fluvoxamine combined with individual cognitive-behaviour therapy in binge eating disorder: a one-year follow-up study.Psychother Psychosom, 70 (6),298-306

Vocks, S.; Tuschen-Caffier, B.; Pietrowsky, R.; Rustenbach, S. J.; Kersting, A.; Herpertz, S.(2010). Meta-analysis of the effectiveness of psychological and pharmacologica ltreatments for binge eating disorder.

Int J Eat Disord, 43 (3),205-17

Wilfley, D. E.; Wilson, G. T.; Agras, W. S. (2003). The clinical significance of binge eating disorder.Int J Eat Disord, 34 Suppl, 96-106

Wonderlich, S. A.; de Zwaan, M.; Mitchell, J. E.; Peterson, C.; Crow, S. (2003).Psychological and dietary treatments of binge eating disorder: conceptual implications.Int J Eat Disord, 34 Suppl,58-73