KOSTENLOSE HOTLINE +49 (0) 800-4252150

Bestell-Hotline von 07:00 - 18:00 Uhr

VERSAND KOSTENLOS SCHON AB 20,- €*

*außerhalb DE ab 100,- € kostenlos

GRATIS GESCHENK*

*bei jeder Bestellung über 100,- €

Tobias Gerblinger – Rückblick auf die Europameisterschaft in Moldawien

IFBB Tobias GerblingerVon Tobias Gerblinger

Liebe BLOG-Leser von PEAK und Bodybuilding-Interessierte,

in meinem neusten BLOG stehen diesmal nicht Themen wie Trainingsmethoden, Ernährungsformen oder Trainingssplit an erster Stelle.

Das Hauptthema dieses Mal dreht sich um die Eindrücke und Erfahrungen, die ich auf meiner ersten internationalen Meisterschaft, der EM in Moldawien (10.05.2013 bis 13.05.2013), machen durfte, bei der ich den 7.Platz belegte.

Nach ein paar Tagen der Ruhe und Regeneration für Geist und Körper, möchte diese mit euch Lesern einerseits aus sportlicher und privater Sicht teilen sowie von den Umständen berichten, denen wir Athleten ausgesetzt waren.

Leider gab es vor Ort keine Möglichkeit, zu fotografieren, weshalb ich Euch leider keine Bilder von der Bühne aus Moldawien präsentieren kann.

IFBB Tobias Gerblinger

Die Anreise und erste (erschreckende) Eindrücke

Nachdem ich meine Vorbereitung auf dieses bisherige größte Highlight meiner Karriere Anfang März begonnen hatte, stand am Morgen des 10.05.2013 das Flugzeug am Münchner Flughafen zur Reise nach Chisinau in Moldawien bereit.

Zusammen mit dem Nationalteam verlief der Flug reibungslos und nach 5 stündiger Reise waren wir in unserer Unterkunft angekommen. Nach einer etwa halbstündigen Taxifahrt bei schönem Wetter und Temperaturen um 25 Grad erreichten wir problemlos unsere Unterkunft. Leider sollten die Sonne und das angenehme Wetter die einzigen guten Umstände sein, die wir erleben durften, doch dazu später mehr.

Nach Formalitäten wie Anmeldung, Beantragung der internationalen Starterlizenz, folgte der erste kleine Schock, als ich, zusammen mit meinem Team- und Zimmerkollege, unser Zimmer betrat. Wie schon erahnt, fanden wir eine Einrichtung vor, die – wie soll ich es beschreiben –  Nachkriegszuständen entsprach. Ereignisse wie im Film, nachdem wir uns wunderten, dass kein Wasser vorhanden war, weder aus dem Wasserhahn noch aus der Toilettenspülung, erhielten wir die Auskunft, dass es erst Stunden später Wasser gibt. Soweit wir uns geduldet hatten, war klar, was passiert, minutenlanger Fluß von brauner Soße aus dem Wasserhahn. Ein Kühlschrank, der so laut war wie ein Traktor. Keine Klimaanlage bei diesen Temperaturen und mit der Farbe auf der Haut (unangenehm), modernder Geruch, alte Wolldecken und Handtücher, Klopapier wie Schmirgelpapier sind weitere Beispiele die den Zustand unserer Unterkunft kennzeichneten.

Auf dem Programm stand nun das erste Teilziel, das Wiegen am Abend. Mein angepeiltes Ziel war ja, wie bekannt, die Bodybuildingklasse bis 75kg. Mit einem Gewicht von 78,5 kg war ich am Morgen zuhause abgereist. Somit war klar, dass es diesmal sehr knapp werden würde, in diese Klasse zu kommen. Deshalb war die Spannung groß, das erste Mal die Waage im Hotelzimmer zu betreten, die ich natürlich im Gepäck hatte. 76,5 kg und noch wenige Stunden, langsam wurde ich etwas nervös, doch letztendlich ging unsere Planung perfekt auf und ich wurde mit 75,0 kg offiziell gewogen und kam perfekt in die Klasse  –  ein erster Teilerfolg. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich an diesem Freitag nichts getrunken und gegessen und somit war es eine Wohltat, mein Aufladen zu beginnen durch die Nacht durch bis zur Vorwahl am Samstag-Nachmittag.

 

Samstag – Tag der Vorwahl

Nachdem die Nacht mit Aufladen und weiterem Entwässern (Supplemente wie Arginin, CA/MG, Electrolyts und Glutamin wurden immer wieder zugeführt) und dem letzten Formcheck mit unserem Teambetreuer optimal nach Plan verlief, sah ich am Morgen in den Spiegel und meine Augen erblickten die Früchte der wochenlangen Arbeit. Ich war in der Form meines Lebens, voluminös voll, bei meiner schmalen Taille und guten Linie gepaart mit Steifen im Hintern und somit guter Härte.

Am Nachmittag wurde es dann ernst, als wir mit dem Bus zur Halle gefahren wurden und man merkte, wie die Spannung von allen Athleten in der Luft lag. Dort Angekommen galt es keine Zeit zu verlieren, da meine Klasse schon am Anfang auf der Liste stand. Das hieß, schnell einen Platz zum Liegen suchen und die finale Schicht Farbe aufzutragen.

Der Moment war am frühen Nachmittag dann endlich gekommen. Aufgepumpt und mental voll auf der Höhe trat ich auf die EM-Bühne. Von diesem Moment an fing bei quasi ein Film an abzulaufen wie immer und ich spulte mein Programm ab. Ausgepowert und für den Moment etwas erleichtert kam Backstage sofort unser Betreuer auf mich zu und teilte mir mit, dass alles super war, dass die Form, Farbe, Posing und Präsentation top und ich völlig konkurrenzfähig war und gut in die Klasse passte.

Jedoch war auch er nahezu positiv schockiert über das absolut brutal hohe Niveau der EM, nicht nur in meiner Klasse, sondern das Niveau der kompletten Veranstaltung! Nun hieß es Warten bis das Ergebnis veröffentlicht wurde, welche 6 Teilnehmer es ins Finale geschafft haben.

Das Ergebnis

Dann der SCHOCK –  ich stand nicht auf der Liste! Ich konnte es nicht fassen im ersten Augenblick und war dementsprechend enttäuscht, nach dieser anstrengenden Vorbereitung, nach der harten Diät und dem vielen Training. Alles lief nach Plan, die Trainer waren immer zufrieden, von allen Seiten hörte man, ich sei in der Form meines Lebens, ich fühlte mich so gut wie noch nie und dann
PLATZ 7, 3 Pünktchen am Finale vorbei…

Mit getrübter Miene kehrte ich in unser Hotel zurück und die Gedanken spielten natürlich verrückt, man fragt sich, was hab ich falsch gemacht, war ich so schlecht??? Nach Gesprächen mit meinen Teamkollegen und Betreuern und nach einer gewissen Zeit des Abstandes kam man aber doch zu der Erkenntnis  ­– NEIN, die Kontrahenten waren verdammt gut und es war mehr drin...

Mit etwas Abstand sah ich immer mehr die Gesamtsituation und die beinhaltet viele Faktoren. Ich belegte den 7. Platz bei der stärkst besetzten EM mindestens 10 Jahren, wie von offizieller Seite gemunkelt wurde und das in meiner 2. Wettkampfsaison. Ich habe mich mit Athleten gemessen, die  teilweise viele Jahre älter waren und schon eine Vielzahl von int. Wettkämpfen bestritten und somit einen Namen und Erfahrung in der int. Szene haben.

Es war sehr erstaunlich festzustellen, wie krass doch der Unterschied zwischen nationalem und internationalem Level ist. Teilweise konnte man nur staunen, ich habe dort keinen „schlechten“ Athleten gesehen. Vor Ort habe ich gesagt: „Die sahen alle aus wie aus einer Fabrik, BRUTAL.“

Die allerwichtigste Erkenntnis für mich war, dass ich auch international absolut konkurrenzfähig bin und dass ich meine bisher absolute Bestform gebracht habe, besser als damals, als ich Deutscher Vizemeister wurde. Ich denke, dass muss das Ziel in unserem Sport sein, versuchen sich immer zu verbessern, und das habe ich wieder geschafft und darauf bin ich auch stolz, auch wenn das Ergebnis meine Leistung nicht so widerspiegelt. Wenn mich jemand fragen würde, ob ich etwas anders machen würde oder hätte machen sollen, würde ich sagen: „NEIN , ich würde ich nichts anders machen!“ 

 

Mit etwas Abstand…

In einem kurzen Videoausschnitt wurde mir im Nachhinein aber auch klar, dass ich wohl einfach zur falschen Zeit am falschen Ort war, denn ich und auch meine Trainer schauten anfangs etwas verdutzt drein, als wir wahrnehmen mussten, dass ich eigentlich zu den massivsten Athleten auf der Bühne gehörte, im Line Up herausstach und eigentlich 2 Plätze weiter vorne hätte landen müssen. Dieses Bild zeigte dies so deutlich, dass sich mir die Frage stellt, was die Judges da bewertet haben. Ich gestehe ein, dass ich noch nicht ganz vorne mitmischen kann und wenn jemand besser ist, dann akzeptiere ich dies natürlich. Aber diese Entscheidung ist absolut nicht nachvollziehbar.

Dies soll jetzt kein Rumheulen oder Jammern sein, ich schreibe lediglich aus der Sicht eines Sportlers, der liebt, was er tut, mit vollem Herzblut dabei ist und alles gibt, was möglich ist. Dennoch nehme ich aus dem Ergebnis und dieser Erfahrung Positives als Negatives, denn ich weiß jetzt, wo ich vom Level auch international stehe, wo ich hin muss und was zu tun ist, um auch dort ganz oben dabei zu sein.

Und ganz ehrlich und persönlich gesagt, bin ich trotzdem etwas wütend von diesem unglücklich und teilweise auch unerklärlichen Ergebnis. Ich habe das Gefühl in mir, diesmal den Lohn für meine Harte Arbeit nicht bekommen zu haben.

All dies hat eine Trotzreaktion in mir hervorgerufen und motiviert mich mehr als je zuvor. Nach der EM habe ich diesmal keine Pause gemacht… nein, ich war sofort wieder im Studio und habe Vollgas gegeben. Meine lange geplante Off-Season mit einigen Neuerungen und Optimierungen ist schon voll am Laufen und neue Ziele werden angepeilt smiley

IFBB Tobias Gerblinger IFBB Tobias Gerblinger

Ausblick und Resümee

Das Wichtigste für mich ist, mir jetzt einmal Zeit zu nehmen, um mich zu entwickeln, zu verbessern, zu wachsen und an Qualität zu gewinnen. Schlicht und ergreifend gesagt, mein Gesamtpaket auf ein neues Level zu befördern, dann werde ich, wenn es so weit ist, entscheiden, wie es wettkampfmäßig weitergeht.

Als Resümee möchte ich auch nochmal eine Frage aufgreifen, die ich im Vorfeld dieser EM oft gehört habe:

Moldawien, wieso macht man eine EM in Moldawien? Ich muss sagen, ich habe auch keine Ahnung, denn ­keiner weiß, was sich die IFBB da gedacht hat oder erhofft hat. Es waren teilweise menschenunwürdigen Bedingungen, wie oben kurz beschrieben, es gab einige Lebensmittelvergiftungen bei den Athleten, organisatorische Katastrophen wie kein Toilettenpapier in der Halle, weder ein Bankett noch ein Frühstücksbuffet usw… Deshalb bin ich mir sehr sicher, dass es die erste und letzte EM in Moldawien gewesen ist. Damit verurteile ich nicht das Land oder die Leute, sondern spreche eine heftige Kritik an der Organisationsfähigkeit des Verbandes IFBB aus. Ich hoffe und wünsche mir, dass so ein Desaster zukünftig den Athleten erspart bleibt.

Ich hoffe, dass Euch dieser persönliche und sehr ehrliche Erfahrungsbericht gut gefallen hat allen Athleten, die auch Wettkampfambition haben, zeigt, dass Bodybuilding weit mehr als Training und Ernährung ist.

Ich bin stolz in den letzten Wochen PEAK in ganz Deutschland und nun auch in der Welt repräsentiert zu haben und möchte mich an dieser Stelle bei den Mitarbeitern und Teamkollegen von PEAK, die mich bei diesem Vorhaben sehr unterstützt haben, recht herzlich bedanken.

In meinem nächsten BLOG werde ich über meine nun anstehende Off-Season berichten – Training, Ernährung, Supplementierung, neue Strategien usw…

Bis dahin

Train hard, stay strong

EUER TOBI

 

Fotos: Frank Martini Photography, Trier

Hinterlasse eine Antwort

Um einen Kommentar zu hinterlassen, musst du angemeldet sein.