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"Wenn ich so viel Stoff nehmen würde, würde ich auch so aussehen!" Oder: Neid und Missgunst der Erfolglosen

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

Anerkennung Neidheute kommen wir mal zu einem etwas brisanteren Thema. Einem Thema, das mir persönlich auf der Seele brennt.
Ich habe jahrelang in einem Fitnessstudio gearbeitet, einem großen Studio, mit einem großen Kundenstamm. Von der Hausfrau, die einfach nur ein paar Pfunde abnehmen wollte, über den an seiner allgemeinen Gesundheit interessierten Rentner, bis hin zu ambitionierten Hobbysportlern und Wettkampfathleten – alles war vertreten.
Darunter auch eine Menge (Achtung, jetzt kommt das Tabu-Thema!) Steroid- Konsumenten.

Viele von ihnen hatten keinen Plan, was sie da überhaupt taten. Ein paar Wenige hingegen waren sehr ambitioniert und fleißig. Bei manchen konnte man die Uhr danach stellen, wann sie auftauchten. Montag bis Freitag waren sie zuverlässig jeden Tag zu ihrer festen Trainingszeit da. Und sie haben sich sprichwörtlich den Arsch aufgerissen im Training. Anschließend sah man sie noch eine Zeit lang an der Theke sitzen, um sich mit ihren Trainingskollegen zu unterhalten und ihren mitgebrachten Post-Workout-Shake zu trinken.

Und dann gab es noch die andere Seite der „Dopenden“.

Die, die keine Ahnung hatten, weder von Training, noch von Ernährung, geschweige denn von dem Zeug, das sie da in sich hineinzujagen vermochten. Diejenigen, die man von Oktober bis Januar nicht im Studio sah und die dann Anfang Februar auf einmal wieder auftauchten, gefühlte 15kg leichter als noch im Spätsommer des vorherigen Jahres. Sie sahen nicht aus, als ob sie jemals trainiert hätten. Und das hatten sie im letzten halben Jahr auch nicht. Schließlich war der Sommer vorüber gewesen und kein Freibad hatte offen, wo man die wässrig aufgeblasenen Muskeln den sich sonnenden Bikini- Miezen präsentieren konnte.

Aber bevor ich zu sehr verallgemeinernd werde, möchte ich das Ganze gerne am Beispiel zweier Trainierender aus dem Studio erläutern, welche unterschiedlicher nicht sein könnten. Jedoch haben sie eine Gemeinsamkeit: Sie beide konsumieren illegal leistungssteigernde Medikamente. Ihre Namen habe ich natürlich abgeändert, es soll schließlich niemand öffentlich an den Pranger gestellt werden - es geht lediglich darum, den Sachverhalt zu verdeutlichen.

Zum einen haben wir hier Thomas.

Thomas ist gerade 23 Jahre alt. Er ist 1,91m groß und 121 kg schwer (bei sichtbaren Bauchmuskeln!). Er will nächstes Jahr auf die Bühne gehen. Als er bei mir an der Theke sitzt, frage ich ihn nach seiner aktuellen Ernährung. Seine Antwort:

„Naja, momentan esse ich zum Frühstück 250g Haferflocken, 2 Eier, 10 Eiklar und 5g Fischöl. Dazu eine Banane. Dann über den Tag verteilt 750g Hühnchen mit 3 Tassen Reis, aufgeteilt auf drei Portionen. Vor dem Training meinen Pre-Workoutbooster, während dem Training 10-15g BCAAs und nach dem Training Createston. Danach nochmal eine Tasse Reis mit 2 Dosen Thunfisch, vor dem Schlafen dann 500g Magequark mit Haferflocken und nochmal 5g Fischöl.“

Ich schlucke. „Boah, ganz schönes Pensum!“ sage ich. „Das sind ja locker 800g Kohlenhydrate!“
„Ja, von nichts kommt nichts,“, antwortet er, „ich will ja noch dieses Jahr die 125kg knacken!“. Zu diesem Zeitpunkt befinden wir uns Ende Oktober. „Wie oft trainierst Du?“, frage ich. „5-6 mal die Woche, jeweils ca 2 Stunden“, ist seine lockere Antwort. Und ich weiß, dass es stimmt. Schließlich sehe ich ihn Montag bis Freitag jeden Tag um 16 Uhr zum Training kommen. Und samstags mittags, wenn ich nur privat im Studio bin, um selber zu trainieren, ist er auch da.

Dann komme ich zur „bösen" Frage: „Und was nimmst Du, wenn ich fragen darf?“

steroids

Er zuckt nicht einen Moment mit der Wimper und verrät mir sofort, welche Steroide er momentan zu sich nimmt. Es sind zwei verschiedene Substanzen, moderat dosiert. „ Echt? Das ist ja gar nicht so viel! Da kenne ich viele Leute hier, die mehr nehmen, wirklich deutlich mehr und dabei nicht annähernd so aussehen, wie Du!“, sprudelt es sofort aus mir heraus. „Tja, die reißen sich ja auch nicht so den Arsch auf wie ich!“, sagt er trocken.

Und genau diese Aussage trifft es auf den Punkt. Sie spiegelt genau das wieder, was ich in diesem Artikel zu vermitteln versuche und führt uns zu unserem zweiten Beispiel.

Kai ist 25, zwei Jahre älter als Thomas. Ich habe ihn seit ein paar Wochen nicht mehr gesehen. Der Sommer ist schließlich vorbei. Noch im Juli hat er regelmäßig bei mir an der Theke gesessen. Die Arme aufgeblasen, dicke „Wasserkeulen“, wie man im Studio-Jargon sagt. Der Kopf kugelrund, wie ein Mondgesicht sah er aus. Die Pickel auf seinem Rücken reichten bis in den Nacken, sodass man sie auch sah, wenn er ein Tshirt trug. Sein Körperfettanteil lag geschätzt bei etwas über 20%. Gehen wir mal etwas in der Zeit zurück, an einen üblichen Tag im Sommer, als Kai noch regelmäßig ins Studio kam.

Es ist Juli. Kai kommt drei bis vier Mal pro Woche zum Training. Meistens. Wenn er keine Zeit hat, reichen wie er sagt, auch zwei Mal. Er ist meistens für 30-45 Minuten auf der Fläche und kommt dann wieder hoch an die Theke. Schweißperlen sehe ich dabei selten auf seiner Stirn. Nach dem Training geht er vor die Tür und raucht erst einmal eine Zigarette. „Trinkst du keinen Shake nach dem Training?“, frage ich. „Ach ja, normalweise schon ab und zu, ich hab da so´n Zeug daheim. Aber heute hab ich´s vergessen.“, ist seine Antwort. „Gib mir mal so´n Riegel da!“. „Das ist ein Energieriegel, der hat 30g Fett und kaum Eiweiß, eher ne fette Süßigkeit mit Fitnessaufdruck“, sage ich ihm ehrlicherweise. „Ach passt schon“, antwortet er, „ich geh gleich mit meiner Freundin zum Burger King und esse Nuggets, die haben genug Eiweiß“. „Ok“, sage ich und verkaufe ihm einen Riegel für 2€.

Er bleibt noch etwas an der Theke sitzen, während er den Riegel verschlingt und ihm die gepressten Haferflocken, die mit Zucker und Fett überzogen sind, zu den Mundwinkeln herausfallen.

Er wartet auf seine Freundin, die ihn mit dem Auto abholen kommt. Vor 3 Wochen musste er seinen Führerschein abgeben, nachdem er am Wochenende von einer Party kam und betrunken angehalten wurde, hat er mir erzählt. Als er den Riegel verdrückt hat, nutzen wir die Zeit, um über seinen aktuellen Steroidkonsum zu sprechen. Kai spricht gerne und sehr offen darüber. Es scheint als würde sich, seiner Meinung nach, der gesamte Sport nur um Steroide drehen.

„Und, was ballerst du im Moment?“, frage ich. Er fängt an mir eine Liste von 6 verschiedenen Medikamenten in hohen Dosierungen herunterzurattern. In verdammt hohen Dosierungen! 3 injizierbare Steroide, ein Steroid in Tablettenform,ein Schilddrüsenhormon und ein anderes Mittel zur Fettverbrennung.

„Meinst du nicht, das ist ein bisschen zu viel des Guten?“, frage ich. „Ach Quatsch“ ,antwortet er, „was meinst du, was die Profis sich reinzimmern?! Das was ich nehme, ist doch nix dagegen! Wenn ich das nehmen würde, was die nehmen, würde ich auch so aussehen! Aber das ist mir dann schon zu krass, ich will ja noch alt werden. Und so viel Geld habe ich nicht, was meinste, was die da jeden Monat eine Kohle reinstecken?! Ich mache zwar schon länger keine Fortschritte mehr, obwohl ich nicht anders trainiere als die auch. Aber der Unterschied ist halt einfach der Stoff. Gib mir das, was die nehmen, und dann bin ich auch nächstes Jahr Profi. Hab ich aber keinen Bock drauf. Bin ja nicht hier wie der Thomas hier, weißte wen ich mein, dieser aufgepumpte Spasti da?!

Der Typ ist noch jünger als ich! Und haste dir den mal angeguckt? Ich will nicht wissen, was der sich alles reinhämmert. Kein Wunder, dass der jedes Wochenende noch die ganze Nacht als Türsteher ran muss, irgendwie muss er sich den ganzen Stoff ja finanzieren. Ich hab ihn letztes Wochenende noch vorm Club arbeiten sehen, während ich schön Party machen konnte. Und das alles wegen dem Stoff. So ein Trottel… und nächstes Jahr fällt er tot um. Dann mach ich lieber so weiter wie bisher, auch wenn ich weiß, dass ich, wenn ich dasselbe nehmen würde, wahrscheinlich doppelt so breit wäre wie er. Aber scheiss drauf…“

Danach endet unser Gespräch, denn Kai´s Freundin ist da, um ihn mit seinem Ford Fiesta, inklusive "bösem Blick" und getuntem Auspuff, den ich schon vor 2 Minuten bis zum Studio gehört habe, abzuholen.

Ich denke etwas nach...

Und mit genau dem Gedankengang, den ich damals hatte, kommen wir zur Moral dieser Geschicht´ (obwohl es streng genommen keine Geschichte ist, sondern ein auf Fakten basierender Bericht, aber wir wollen mal nicht päpstlicher als der Papst sein):

Kai nimmt circa das vierfache an Steroiden, was Thomas zu sich nimmt. Wahrscheinlich mehr, als mancher Profi. Aber wie so oft im Leben, redet derjenige, der mit sich selbst unzufrieden ist, die Leistung des Anderen schlecht. Kai gönnt Thomas seinen Erfolg nicht und redet sich die Situation selber schön, indem er ihm einen abnomal hohen Steroidkonsum vorwirft. Dabei nimmt Thomas nicht einen Bruchteil von dem, was Kai nimmt. Kai gönnt Thomas nicht den Körper, den er besitzt. Weil es der Körper ist, den Kai selber gerne hätte.

Das ist der Neid und die Missgunst der Erfolglosen.

Neid Messanzeige

Und darauf triffst Du nicht nur im Bodybuilding, das siehst Du überall, in jedem Bereich des Lebens. Sei es sportlich, beruflich oder privat.

Es wird immer solche Leute geben, die die Leistung Anderer schmälern wollen, weil sie selber nicht haben, was diese Leute haben.

Gehöre nicht zu diesen missgünstigen Menschen! Gönne jedem seinen Erfolg und sei Dir sicher, dass er hart dafür gearbeitet hat.

Auch hohe Steroiddosen machen aus Dir keinen Ronnie Coleman. 99,9999% der Menschheit könnten die gleichen Steroide konsumieren, die Coleman zu seiner aktiven Zeit genommen hat, in der fünffachen Menge wie er. Und sie würden trotzdem niemals auch nur annähernd so aussehen, wie Ronnie es aufgrund seines unmenschlich intensiven Trainings, seiner tagtäglichen Disziplin über Jahre und Jahre hinweg und seiner herausragenden Genetik getan hat.

Eine schlechte Genetik und mangelnde Arbeitsmoral kannst Du nicht mit Steroiden ausgleichen!

Du kannst mit Fleiß, Disziplin und Ehrgeiz das Beste aus Dir rausholen, was Dein genetisches Potential Dir erlaubt. Und genau das sollte Dein Bestreben sein. Werde die beste Version von Dir Selber, ohne dabei Andere zu diskreditieren. Ob mit oder ohne Steroide, ist jedem selber überlassen. Schaue auf Dich selber und auf Andere nur dann, wenn Du ihre Leistung anerkennst und sie Dich motiviert!

Dabei wünsche ich Dir viel Erfolg!

Mit sportlichen Grüßen
Arno Nym

 

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