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Tyrosin: Aminosäure mit ungeahntem Potenzial

Bei Proteinen handelt es sich in der Fitness- und Kraftsportszene um das wohl am meisten genutzte Supplement. Sie bestehen aus kettenartig miteinander verbundenen Aminosäuren. Aminosäuren sind also die Grundbausteine, aus denen die Proteine bestehen. Sie werden in der Ernährung des Menschen in essentielle (unentbehrliche) und nicht essentielle (entbehrliche) Aminosäuren eingeteilt. In diesem Artikel werden wir uns der Aminosäure Tyrosin zuwenden. Diese oftmals belächelte Aminosäure hat ein nicht zu unterschätzendes Potential, welches im Verlauf des Artikels noch klar dargestellt wird. Beginnen wir erst einmal mit der Geschichte und Entdeckung sowie der chemischen Struktur. Anschließend widmen wir uns dem Synthesevorgang und dem Abbauprozess. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die zentrale Bedeutung bei der Hormon- und Neurotransmitterherstellung. Außerdem erkunden wir, welche Lebensmittel reich an Tyrosin sind. Ferner werfen wir einen Blick auf die Pharmakologie und den Einsatz von Tyrosin im Sport. Abschließend werden wir uns ansehen, wo Tyrosin im medizinischen Bereich eingesetzt werden kann.

1. Allgemeines

Die Namensgebung der Aminosäure Tyrosin leitet sich ursprünglich vom griechischen Wort „tyros“, welches „Käse“ bedeutet, ab. Tyrosin, auch Tyr genannt, gehört zu den halb-essentiellen (semi-essentiellen) Aminosäuren. Halb-essentiell deshalb, da durch gewisse Einflüsse, wie z.B. Krankheit, Stress, Medikamente, usw., ein Mehrbedarf an Tyrosin entsteht, zu deren Ausgleich die körpereigene Synthese nicht mehr in der Lage ist. Sie ist eine natürlich vorkommende Aminosäure, die einerseits über die Nahrung aufgenommen oder durch die Hydroxylierung aus der essenziellen Aminosäure Phenylalanin gebildet wird. Des Weiteren dient sie vor allem als Ausgangsstoff für die Biosynthese der Katechomaline Noradrenalin, Adrenalin und Dopamin sowie für die Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijod-thyronin (T3). Neben den Katechomalinen und Schilddrüsenhormonen ist Tyrosin noch ein Grundbaustein für das braune Pigment Melanin, welches für die Farbgebung von Haar- und Hautfarbe verantwortlich ist.

1.1 Geschichte und Entdeckung

Die Entdeckung von L-Tyrosins als Aminosäure haben wir dem deutschen Chemiker Justus von Liebig 1846 zu verdanken. Bei einem Experiment mit einem Emmentaler Käse, konnte das Tyrosin erstmalig als Aminosäure dargestellt werden. Im Jahre 1883 konnte es schließlich synthetisiert und seine chemische Struktur bestimmt werden.

Tyrosin Emmentaler
Abb. 1: Die Aminosäure Tyrosin wurde erstmals im Jahr 1846 aus Käse isoliert.

1.2 Chemische Struktur

Struktur Tyrosin
Abb. 2: Struktur des L-Tyrosin

Der chemische Name von Tyrosin lautet α-Amino-β-(p-hydro-xyphenyl)-propionsäure. Es handelt sich um eine aromatische Aminosäure, deren charakterliches Strukturmerkmal ein angefügter Benzolring mit einer Hydroxylgruppe an der Kohlenstoffwasserkette aufweist. In der Chemie lautet ihre Strukturformel C9H11NO3.

1.3 Biosynthese von Tyrosin

In der wissenschaftlichen Literatur ist der Begriff der halb-essentiellen Aminosäuren etwas unscharf definiert. Die Bezeichnung findet sich in der biochemischen Literatur hauptsächlich für Aminosäuren, welche ausschließlich aus essentiellen Aminosäuren hergestellt werden können. Aufgrund dieser Auffassung zählt Tyrosin neben Cystein zu den halb-essentiellen Aminosäuren (Horn et al., 2005, Dettmer et al., 2005). Die Eigenschaft einer halbessentiellen Aminosäure wie Tyrosin, ist es, dass sie, falls es notwendig wird, in eine essentielle Aminosäure umgewandelt werden kann. Dieser Vorgang tritt immer dann ein, wenn die endogene Eigensynthese des dieser Aminosäure dem notwendigen Bedarf unterliegt. Tyrosin selbst entsteht aus der essentiellen Aminosäure Phenylalanin, mittels der Phenylalanin-Hydroxylase. Dieses Enzym ist eine (mischfunktionelle) Monooxygenase, die besagt, dass von dem verwendeten molekularen Sauerstoff (O2) jeweils nur ein einzelnes Atom in das Tyrosin eingebaut wird. Das übriggebliebene Sauerstoffatom wird dann zu Wasser reduziert. Um sich das Ganze besser vorstellen zu können, wurde der chemische Vorgang bildhaft dargestellt.

Biosynthese Tyrosin
Abb. 3: Biosynthese von Tyrosin

1.4 Abbau von Tyrosin

Tyrosin ist eine sehr wichtige Aminosäure und kommt fast in allen Proteinen vor. Da der Abbauweg doch etwas komplizierter ist, wird er hier vereinfacht beschrieben und dargestellt. Das Tyrosin, welches nicht für die Proteinsynthese verwendet wurde, wird metabolisiert und hauptsächlich über die Tyrosin-Deminase (Enzym) zu dem Glukoneogenese-Substrat p-Hydroxphenylpyruvat (Enzym) abgebaut, aus dem das Homogenisat entsteht. Dieses wird mittels weiterer Schritte und Enzyme dann endgültig zu Fumarat und Acetoacetat synthetisiert. Mittels des Succinyl-CoA (Zwischenprodukt bei mannigfaltigen Stoffwechselvorgängen) wird zunächst das Acetoacetat aktiviert, welches im Anschluss daran zwei Moleküle Acetyl-CoA für den Zitronensäurezyklus liefert. Die unten abgebildete Grafik verdeutlicht nochmals den Vorgang.

Tyrosin Abbau
Abb. 4: Abbauweg des L-Tyrosins in Acetoacetat.
  • Alternativabbauweg von Tyrosin:

Neben dem bereits geschilderten Abbauvorgang, kann Tyrosin ebenfalls über den Weg der Decarboxylierung zu Tyramin, welches dann weiter zu Phenylacetat oder über die Tyrosinase (Enzym) zu Dopamin umgewandelt wird, abgebaut werden.

1.5 N-Acetyl-L-Tyrosin (NALT)

Neben der uns bekannten Form von Tyrosin als L-Form, gibt es noch eine weitere Form dieser Aminosäure. Hierbei handelt es sich um N-Acetyl-Tyrosin, das auch als NALT bekannt ist. NALT ist eine modifizierte Form der nicht essentiellen Aminosäure Tyrosin. Gegenüber der L-Form wurden nach Studien von Magnusson et al., 1989, folgende Unterschiede zum NALT festgestellt:

  • 56 % des eingenommenen NALT wurde nach 4 Stunden vom Körper wieder ausgeschieden.
  • Gegenüber L-Tyrosin ist es eine löslichere und hitzestabilere Form.
  • Es wird angenommen, dass NALT aufgrund seines chemischen Aufbaus im Körper

stabiler ist als normales L-Tyrosin und deswegen in einer niedrigeren Dosis supplementiert werden muss.

2. Tyrosin als zentraler Dreh- und Angelpunkt für die Hormon- und Neurotransmitterherstellung

Wie es die Überschrift schon vermuten lässt, spielt die sonst so belächelte Aminosäure Tyrosin mit Phenylalanin eine zentrale Rolle bei der Neurotransmitterherstellung. Die Herstellung der Neurotransmitter findet dabei im Nebennierenmark statt. Dazu gehören unter anderem:

  • Adrenalin (A) ist auch unter dem Namen Epinephrin bekannt.
  • Noradrenalin (NA) wird auch Norephinephrin genannt.
  • Dopamin

2.1 Katechomaline / Neurotransmitter

Jetzt wurde so oft über Katechomaline und Neurotransmitter gesprochen, doch worum handelt es sich dabei eigentlich? Wir werden hier aufgrund des Verständnisses kurz darauf eingehen.

  • Katechomaline werden von unserem Körper selbst hergestellt und werden immer dann ausgeschüttet, wenn von außen Reize auf unsere fünf Sinne einzeln oder kombiniert einwirken. Diese Reize werden zum Sympathikus geleitet, welcher reagiert und dafür sorgt, dass die Katechomaline ausgeschüttet werden. Diese docken dann an die Beta- und Alpha Rezeptoren der jeweiligen Organe an und versetzen den Körper in einen Zustand der erhöhten Alarmbereitschaft.
  • Zu den wichtigsten Vertretern gehören Noradrenalin und Dopamin (primäre Katechomaline) sowie das Adrenalin und seine Abkömmlinge (sekundäre Katechomaline). Sie sind zum einen Hormone, zum anderen Neurotransmitter im Zentralnervensystem (ZNS) und vegetativen Nervensystem. Die Aufgabe der Katechomaline ist die Aufmerksamkeits-, Aktivitäts-, und Wachheitserhaltung.
  • Neurotransmitter ursprünglicher Name aus dem altgriechischen für "neuro, Sehne, nerv". Sie sind heterogene (vielschichtige) biochemische Stoffe, welche die Information von einer Nervenzelle zur anderen mittels der Synapse (Kontaktstelle), welche sich auf den Nervenzellen befindet, übertragen. Neurotransmitter werden aufgrund ihrer chemischen Struktur wie folgt eingeteilt:

 

  • Biogene Amine

Acetylcholin, Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin, Serotonin, Histamin

  • Aminosäuren

Aspartat, Glutamat, Glycin, Gaba

  • Nukleotid

ATP

  • Peptide

z.B. Opiode

 
Abb. 5: Darstellung der Biosynthese der Katechomaline aus der Aminosäure L-Tyrosin als Grundstoff.

WICHTIG: Tyrosin ist der Grundstoff aus dem sämtliche Katechomaline hergestellt werden, d.h., kein Tyrosin (=) keine Katechomaline!

2.1.1 Dopamin

Dopamin (DA) ist ein biogenes Amin, welches aus der Gruppe der Katechomaline einen wichtigen Neurotransmitter darstellt. In der Gesellschaft gilt es als Glückshormon. Es wird aus der Aminosäure L-Tyrosin hergestellt. Bei der Synthese zu Adrenalin werden mehrere Vorstufen hergestellt, dazu gehört unter anderem das Dopamin. Neben seiner Funktion als Hormon agiert es ebenfalls als Neurotransmitter. Ferner ist es an der Steuerung von emotionalen Reaktionen, dem Gedächtnis, dem Lernen und der Bewegung beteiligt.

2.1.2 Noradrenalin (Norepinephrin)

Noradrenalin, auch Norepinephrin genannt, ist zum einen ein Neurotransmitter und zum anderen einer der entscheidendsten Botenstoffe des zentralen Nervensystems und des Sympathikus, als Teil des vegetativen Nervensystems. Des Weiteren ist Noradrenalin auch ein Hormon des Nebennierenmarks und somit auch ein Katechomalin.

2.1.3 Adrenalin (Epinephrin)

Adrenalin ist ein im Nebennierenmark synthetisiertes und in Stresssituationen ins Blut abgegebenes Hormon. Als Stresshormon verursacht Adrenalin eine Erhöhung der Herzfrequenz, eine Steigerung des Blutdruckes, eine Erweiterung der Bronchien, eine schnelle Bereitstellung von Energiereserven durch Fettabbau (Lipolyse) sowie die Freisetzung und Biosynthese von Glucose. Es reguliert auch die Durchblutung (Konzentration) und die Magen-Darm-Tätigkeit (Hemmung).

Nach der Synthese der Katechomaline, werden diese ebenfalls über das Nebennierenmark mittels einer sympathischen Aktivierung durch den Sympathikus sezerniert (abgesondert) (Zilles und Rehkaemper, 1998).

2.1.4 Schilddrüsenhormone

Neben der Synthese der Neurotransmitter dient Tyrosin auch als Ausgangsstoff für Herstellung der Hormone Tetraiodthyronin (T4) und dem Thyroxin (T3). In der Schilddrüse selbst werden Tyrosylreste des Thyreoglobulins mit Jodid ansteigend über Mono- zu Dijodtyrosin jodiert. Durch weitere Schritte der Jodierung entstehen dann Thyroxin (T3) und Tetraiodthyronin (T4).

2.1.5 Melanin

Ausschlaggebend für die Bildung des Melanins ist die sogenannte Tyrosinase, ein kupferhaltiges Enzym und Protein, welches erst unter der Einwirkung von Sonnenlicht (UV-Licht) reagiert. Mit seiner Hilfe wird die Aminosäure Tyrosin über mehrere Etappen in das Pigment Melanin umgewandelt.

3. Tyrosin in Lebensmitteln

3.1 Vorkommen in Lebensmitteln

Da Tyrosin in fast jedem Protein enthalten ist, ist die Auswahl an Lebensmitteln, welche diese Aminosäure enthalten, dementsprechend hoch. Hier eine kleine Auswahl an Lebensmitteln, die Tyrosin enthalten:

Tab. 1: Kleine Auswahl an proteinreichen Nahrungsmitteln und deren Anteil an Tyrosin

Lebensmittel pro 100 gAnteil in mg
Brathuhn 760
Schweineleber 780
Lammfleisch 820
Kalbsfleisch 880
Kasseler 880
Rindfleisch 890
Schweinefleisch 910
Kochschinken 946
Sojabohnen 1.250
Erdnüsse 1.190
Rochen 940
Parmesan 36,6 % F.i.Tr. 1.750

4. Pharmakologie

4.1 Phenylketonurie (PKA)

Phenylketonurie ist eine genetisch vererbte, angeborene und in der ganzen Welt verbreitete Stoffwechselstörung. Bei neugeborenen Säuglingen ist etwa jeder 7000ste davon betroffen. Bei jedem Säugling wird deshalb ein Test vollzogen, um diese Störung frühzeitig zu erkennen und die möglichen Folgen zu vermeiden. Den betroffenen Personen fehlt ein Leberenzym (Phenylalaninhydroxalase), das die Aminosäure Phenylalanin in die Aminosäure Tyrosin umwandelt. Aufgrund des stetigen Anstiegs von Phenylalanin, sammeln sich im Blut sehr hohe Werte, weit über vierhundertmal höher als normal, die dann schlussendlich zu einer Vergiftung führen. Zur Behandlung einer Phenylketonurie gehört die frühzeitige Erkennung. Im „American Journal of Clinical Nutrition“ wird darauf hingewiesen, dass bei einer bestehenden Phenylketonurie eine Behandlung mit tyrosinangereichter Proteinersatzmahlzeit und der zusätzlichen Einnahme von freiem Tyrosin unterstützend wirken kann.

5. Einsatz im Sport

5.1 Tyrosin und Ausdauer

Chinevere et al., wollte im Jahre 2002 die Auswirkungen einer Tyrosin-Einnahme mit oder ohne eine Kohlenhydratsupplementierung auf die Ausdauerleistung von Wettkampfsportlern feststellen. Die Probanden wurden in 4 Gruppen eingeteilt und erhielten entweder:

  • ein Placebo
  • eine Polydextrose
  • L-Tyrosin
  • L-Tyrosin und Polydextrose

Nach Auswertung aller Ausdauertests kam man zu dem Ergebnis, dass die sechs schnellsten Zeiten mit Tyrosin und Kohlenhydraten absolviert wurden. Es wurde auch der RPE (Rate of Perceived Exertion) gemessen. Der RPE beschreibt das subjektive Empfinden, wie intensiv eine geforderte Leistung empfunden wurde. Nach der Aussage der Probanden empfanden die Gruppen, die zusätzlich Tyrosin supplementiert hatten, die geforderte Leistung wesentlich erträglicher, als die der Placebogruppe. Eine wissenschaftliche Anerkennung dieser Wirkung ist bisher jedoch ausgeblieben.

Ausdauer Tyrosin

Abb. 6: Welche Auswirkungen die Aminosäure Tyrosin auf die Ausdauerleistung haben kann, wurde 2002 im Rahmen einer Studie von Chinevere et al. untersucht.


5.2 Tyrosin und Koffein-(Substrat) Synergismus

Nachdem der Stoffwechselvorgang von Tyrosin bereits ausgiebig behandelt und seine Funktion im menschlichen Organismus dargelegt wurde, gehen wir nun zu einer Studie über, die interessante Ergebnisse hervorgebracht hat. In dieser wollte man herausfinden, ob Tyrosin mit anderen Substanzen kombiniert werden kann und welche Ergebnisse davon zu erwarten sind. Belza et al., 2007 hat dafür 3 weitere Substanzen auserkoren. Dabei handelte es sich um grünen Tee Extrakt, Koffein, Capsaicin und Calcium. Für die Studie wurden folgende Randbedingungen geschaffen:

  • 80 adipöse Personen mit einem durchschnittlichen BMI von 31,2+2,5kg/m
  • Alle Probanden mussten über vier Wochen an einer hypokalorischen (weniger Kcal zu sich nehmen, als der Körper verbrennt) Diät teilnehmen.

Die Probanden, die während der ersten Phase der Diät mehr als 4% ihres Körpergewichts senkten, wurden anschließend in zwei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe bestand aus 23 Personen und die zweite Gruppe aus 57 Personen. Beide Gruppen mussten eine anschließende achtwöchige Diätphase absolvieren.

  • Gruppe eins erhielt ein Placebo
  • Gruppe zwei erhielt folgende Kombination aus biologischen Substanzen:

Tab 2: Kombination aus biologischen Substanzen

Biologische Substanzen                                     Angaben in mg
Koffein 302 mg
Cayenne Pfeffer 450 mg (davon 1,2 mg Capsaicin)
Calciumcarbonat 3892 mg
Grüner Tee Extrakt 1500 mg (davon 376 mg Catechine)

Der gemessene thermogene Effekt der Kombination aus biologischen Substanzen ergab einen zusätzlichen Verbrauch von 87,3 Kcal/pro 4 Stunden (h) gegenüber der Placebogruppe. Nach acht Wochen war der thermogene Effekt immerhin noch bei 85,5 Kcal/pro 4 h. Hier sei noch bemerkt, der Blutdruck und der Puls ist in beiden Gruppen gleich geblieben. Die Forscher waren sich einig, dass ein Synergieeffekt vorhanden war. Wie sich das allerdings auf eine langfristige Diät auswirkt, dazu sind noch weitere Forschungen notwendig. Insgesamt gesehen fehlt es den positiven Ergebnissen an wissenschaftlicher Anerkennung.

5.3 Supplementierung

5.3.1 Anwendung in der Praxis

Tyrosin sollte, wenn möglich, immer nach folgendem Schema eingenommen werden:

  • auf nüchternen Magen (ca. 2 Stunden vorher nichts gegessen)
  • 45 Minuten vor einer sportlichen Tätigkeit
  • 1,5 bis 2 g Tyrosin

Um einen vermeindlichen Synergieeffekt auszulösen, ist eine Kombination Koffein, Guarana und/oder Grüntee empfehlenswert.

5.3.2 Nebenwirkungen einer Supplementierung

Da L-Tyrosin eine natürlich vorkommende Substanz ist, wird eine Überdosierung wirklich schwer. Selbst Dosierungen von 150 mg pro Kilogramm Körpergewicht über einen Zeitraum von drei Monaten gelten als sicher (Neri et al., 1995). Es kann aber aufgrund von individu-eller Empfindlichkeit gegenüber der Aminosäure L-Tyrosin zu Schlaflosigkeit, Angstgefühlen, Herzrasen, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit kommen.

6. Tyrosin und die Medizin/Psyche

Nachdem wir uns den Stoffwechsel sowie die Phenylketonurie (PKA) und die Verwendung von Tyrosin im sportlichen Bereich angesehen haben, werden wir einige medizinische Einsatzmöglichkeiten von Tyrosin darstellen.

6.1 Studie: Tyrosin als natürliches Antidepressivum?

Bei einer Depression spricht man von einer psychischen Störung, die z.B. durch Lustlosigkeit, Traurigkeit, Schuldgefühle, geringes Selbstwertgefühl, Appetitlosigkeit, Müdigkeit und Konzentrationsschwäche gekennzeichnet ist. Es herrscht unter anderem ein Ungleichgewicht an Neurotransmittern im Gehirn. Depressionen werden oft durch seelische Krisensituationen wie Trennungen oder den Tod einer nahestehenden Person ausgelöst. Sie gehören heute zu den häufigsten seelischen Krankheiten. Diesbezüglich wurden Studien mit Tyrosin durchgeführt. Schon im Jahre 1974 konnte Wurth et al., 1974 und 1977 an Tieren feststellen, dass diese Aminosäure eine entscheidende Rolle bei der Neurotransmittersynthese besitzt. Kurze Zeit später (1980) konnten diese Ergebnisse am Menschen durch Melamed E. et al., bestätigt werden. Bei einer placebokontrollierten crossover Doppelblindstudie konnte im Jahre 1980 Gelenberg et al. festgestellt werden, dass bereits 100 mg Tyrosin pro kg Körpergewicht ausreichen könnte, um depressive Zustände nach einer zweiwöchigen Behandlung zu verringern. Diese Ergebnisse gelten jedoch als nicht wissenschaftlich anerkannt. Allgemeingültige Aussagen über diese vermeindlichen Wirkungen sind somit nicht bestätigt.

6.2 Studie: Tyrosin Stress und Schmerzen

Die bisher gezeigten Studien wurden an Tieren oder doch relativ kleinen Probandengruppen durchgeführt. Im Jahre 1989 war die amerikanische Armee zunehmend an Tyrosin interessiert. Ihnen waren die bisherigen Studienergebnisse dieser Aminosäure zu Ohren gekommen und wollten dies nun genauer untersuchen. Dazu wurden die Wissenschaftler Banderet & Leiberman 1989 herangezogen. Die Studie sollte feststellen Komma welchen Einfluss die Tyrosineinnahme bei „Environmental Stress“ (ungünstige Umweltbedingungen) auf die Soldaten haben würde. An der Versuchsreihe nahmen 23 Soldaten im Alter von 18-20 Jahren teil. Sie erhielten 50 mg Tyrosin pro kg Körpergewicht oder ein Placebo und wurden dann 4,5 Stunden 3 verschiedenen Situationen ausgesetzt.

  • Situation 1 bei 15° in einer simulierten Höhe von 4200 Metern
  • Situation 2 bei 15° in einer simulierten Höhe von 4700 Metern
  • Situation 3 bei 22° in einer simulierten Höhe von 550 Metern

Nach Abschluss des Experiments waren Kopfschmerzen, Kälteempfindlichkeit, Stress-Symptome, Zeichen von Erschöpfung und Muskelschmerzen in der Tyrosingruppe weniger ausgeprägt, als in der Placebogruppe. Des Weiteren berichteten die Probanden, welche das Tyrosin zu sich genommen hatten, über eine bessere Stimmungslage und schnitten bei den darauffolgenden Tests (Mathematik, Kartenlesen und Mustererkennung) besser ab, als die Vergleichsgruppe. Da es diesen Wirkungen jedoch an wissenschaftlicher Anerkennung fehlt, müssen weitere Studien folgen, um die Ergebnisse zu bestätigen.

6.3 Studie: Tyrosin und die Konzentrationsfähigkeit/Wachsamkeit

Wie unter Punkt 2.1 dargestellt, sind die Katechomaline (Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin) für die Aufmerksamkeits-, Aktivitäts-, und Wachheitserhaltung zuständig.

Neri et al., stellte im Jahre 1995 fest, dass eine zusätzliche Gabe von 150 mg Taurin pro kg Körpergewicht die Abnahme der kognitiven Leistungsfähigkeit bei einem vorherrschenden Schlafentzug merklich linderte. Eine wissenschaftliche Anerkennung dieser Ergebnisse ist jedoch nicht vorhanden. In einer Studie, die im Jahre 2003 von der Armee finanziert und von Magill et al. durchgeführt wurde, nahmen junge Männer, die in 4 Gruppen aufgeteilt wurden, bei einem Experiment teil. Ziel des Experimentes war es, herauszufinden, wie sich eine zusätzliche Supplementierung mit Tyrosin von 150 mg pro kg Körpergewicht gegenüber anderen Stimulanzien nach einer schlaflosen Nacht in kognitiven Tests schlagen würde. Als Vergleich, in den anderen Gruppen wurden als Stimulanz Phentermin, Coffein und Amphetamin eingesetzt. Die Ergebnisse der Tyrosingruppe erwiesen sich kaum weniger effektiv, wie die der Probanden, die Stimulanzien eingenommen hatten. Auch hier steht eine wissenschaftliche Anerkennung aus und es sind weitere Studien notwendig, um diese Wirkung zu bestätigen.

6.4 Studie: Tyrosin bei ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung)

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) macht sich bei manchen Kindern im Vorschulalter und in den ersten Schuljahren bemerkbar. Es fällt den Kindern schwer, ihr Verhalten zu kontrollieren und/oder aufmerksam zu sein. Es sind schätzungsweise zwei Millionen Kinder in den USA, die an ADHS leiden. Sie äußert sich durch folgende Symptome:

  • Aufmerksamkeitsschwäche
  • Hyperaktivität
  • Impulsivität

Da Tyrosin die Ausgangssubstanz für Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin ist, ist der Zusammenhang zwischen ADHS und der Aminosäure Tyrosin auch den Medizinern nicht entgangen.

Marty et al., führte 2011 eine Studie mit ADHS diagnostizierten Kindern/Jugendlichen durch. Die Studie umfasste 85 Patienten im Alter von 4-18 Jahren und wurde über einen Zeitraum von 8-10 Wochen durchgeführt. Sie bekamen dabei Tyrosin und 5 THP titriert zugeführt.

Die Anfangsdosis betrug 1500 mg Tyrosin und 150 mg 5-HTP und wurde dann Schritt für Schritt auf die Höchstdosis von 3750 mg Tyrosin und 425 mg erhöht. Insgesamt wurde bei 67% der Teilnehmer eine signifikante Verbesserung der Serotonin- und Dopaminwerte festgestellt. Von allen Probanden wurde eine Gesamtverbesserung von 77% protokolliert. Eine wissenschaftliche Anerkennung dieser Ergebnisse ist bisher jedoch ausgeblieben.

Serotonin

Abb. 5: In Studien wurde untersucht, wie sich eine Supplementierung mit Tyrosin auf die Werte des Nerotransmitters Serotonin auswirkt. Die Ergebnisse brachten erstaunliche Ergebnisse zutage.

7. Fazit und abschließende Worte

L-Tyrosin – „die Aminosäure mit ungeahntem Potenzial". So lautet der Titel dieses Artikels. Wir haben uns die Geschichte sowie die Stoffwechselvorgänge von Tyrosin angeschaut. Dann seine Bedeutung als zentraler Hauptakteur für die Hormon- und Neurotransmitterherstellung. Gerade dieser Punkt hat klar gemacht, welche immense Bedeutung diese einfache Aminosäure für unseren Stoffwechsel und die darin arbeitenden Katechomaline und Hormone hat. Des Weiteren konnte klar dargestellt werden, inwiefern eine zusätzliche Supplementierung von Tyrosin bei einer bestehenden Phenylketonurie eingesetzt werden kann. Dann kamen wir zum Sport und welchen praktischen Nutzen die Athleten von einer zusätzlichen Supplementierung mit Tyrosin im Ausdauerbereich sowie einer Kombination von Tyrosin und Koffein haben könnten. Ferner sind wir in den Bereich der Medizin und Psyche vorgestoßen und haben uns dort einen kleinen Überblick über die Einsatzmöglichkeiten von Tyrosin verschafft. All diese dargestellten Aspekte rücken diese Aminosäure in ein anderes Licht. Die Verwendungsmöglichkeiten von Tyrosin sind bei weitem noch nicht ausgeschöpft. An dieser Stelle müssen wir einfach abwarten, was die zukünftigen wissenschaftlichen Studien noch alles über Tyrosin herausfinden werden.

 

 

Bildquellen:

  • Abb. 1 © Meliha Gojak - Fotolia.com
  • Abb. 5 © Andrea Danti - Fotolia.com
  • Abb. 6 © Peter Atkins - Fotolia.com

 

Quellen:

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  • Belza A, Frandsen E, Kondrup J. Body fat loss achieved by stimulation of thermogenesis by a combination of bioactive food ingredients: a placebo-controlled, double-blind 8-week intervention in obese subjects. Int J Obes (Lond). 2007 Jan;31(1):121-30.
  • Chinevere TD, et al.: Effects of L-tyrosine and carbohydrate ingestion on endurance exercise performance. J Appl Physiol (1985) 2 002 November; 93 (5): 1590-7.
  • Gelenberg AJ, et al.: Tyrosine for the treatment of depression. Nutr Health. 1984;3(3):163-73.
  • Hans-Dieter Jakubke, Hans Jeschkeit: Aminosäuren, Peptide, Proteine, Verlag Chemie, Weinheim, S. 19, 1982, ISBN 3-527-25892-2.
  • Horn F, Moc I, Schneider N, Grillhösl C, Berghold S, Lindenmeier G. 2005. Biochemie des Menschen. 3. Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag, 180-185.
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  • Magnussion I, et al.: N-acetyl-L-tyrosine and N-acetyl-L-cysteine as tyrosine and cysteine
  • precursor During intravenous infusion in humans. Metabolism1989 Oct; 38 (10): 957-61.
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  • Neri DF, et al.: The effects of tyrosine on cognitive performance During extended wakefulness. Aviat Space Environ Med 1995 Apr; 66 (4): 313-9.
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Internetquellen:

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  • http://www.vitalstoff-lexikon.de/Aminosaeuren/Tyrosin/Lebensmittel.html
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Adrenalin
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Antidepressivum
  • http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Benzol&redirect=no
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Dopamin
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Katecholamine
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Melanine
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Neurotransmitter
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Noradrenalin
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Pigment_%28Biologie%29
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Phenylketonurie
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Schilddr%C3%BCsenhormone
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Tyrosin
  • http://www.vitamins-supplements.org/amino-acids/tyrosine.php