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Essstörungen – Wenn Essen schwer oder gar unmöglich wird - Teil 1

Liebe Blogleserinnen und Leser, Liebe PEAK-Kundinnen und –Kunden,

Essstörungenich freue mich, dass ich in der Peak – Gemeinde die Chance bekomme, auch andere Seiten des Sports aufzuzeigen. In den kommenden Artikeln möchte ich Ihnen gerne Krankheitsbilder näher bringen, die sich mit dem Sport und dem Essverhalten beschäftigen und dabei mehr darauf eingehen, was passiert, wenn wir als Sportler die Kontrolle über unsere Ernährung oder aber den Sport verlieren. Dazu werde ich in dem ersten Blog – Beitrag eine allgemeine Übersicht in dem Bereich der Essstörungen liefern. Dazu werde ich das Krankheitsbild der drei wohl bekanntesten Formen vorstellen: Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und die Binge – Eating – Störung. An dieser Stelle sei bereits angemerkt, dass es noch weitere Formen und Überschneidungen unter den Formen gibt. In den weiteren Blog – Beiträgen möchte ich dann tiefer auf die einzelnen Essstörungen eingehen und unter anderem Diagnose, Behandlungsziele – und Möglichkeiten aufzeigen.

Allgemeine Übersicht in dem Bereich der Essstörungen

Essstörungen sind in Teilen durch Nahrungsverweigerung, aber auch durch eine übermäßige Zufuhr von Nahrung gekennzeichnet. Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Binge – Eating – Störungen oder andere Formen der Essstörung sind zwar nicht so häufig wie affektive Störungen, haben aber besonders in den letzten Jahren unter anderem durch Schönheitsideale und gesellschaftliche Anforderungen an Bedeutung gewonnen. Die Formen der Essstörungen finden sich mitlerweile auch nicht mehr nur bei Frauen, sondern auch bei Männern.

Magersucht (Anorexia nervosa)

Die Anorexia nervosa, auch bekannt als Magersucht, ist eine Form der Essstörung, die sich vorwiegend bei jungen Menschen finden lässt. Es kommt durch restriktives Essverhalten und eventuell zusätzlichen Verhaltensweisen wie Erbrechen, Abführmittelmissbrauch oder exzessives Sporttreiben zu einem selbstinduzierten Gewichtsverlust. Das Körpergewicht liegt mindestens 15% unter dem erwarteten Body – Mass – Index. (Herpertz - Dahlmann et al.,2005). Trotz des bestehenden Untergewichtes haben Betroffene oft Angst vor dem zu dick werden und neigen zu einem Bestreben nach Schlankheit. Hierbei zeigt sich eine veränderte Körperwahrnehmung (Körperbildstörung). Häufig beginnt die Anorexia nervosa mit einem harmlos wirkenden Diätverhalten, wie beispielsweise dem Weglassen von Süßigkeiten oder einer vegetarischen Ernährung, die durch Auslandsaufenthalte, dem ersten Verliebt sein oder körperlichen Veränderungen in der Pubertät hervorgerufen werden können.

Die Auswirkungen der Anorexia nervosa sind sowohl auf der körperlichen, als auch auf der psychischen Ebene sichtbar. Es kann zu Störungen des Hormonhausaltes kommen – bei Frauen ist beispielsweise das Ausbleiben der Monatsblutung möglich. Bei Kindern eine verzögerte Pubertät und eine Stagnation der körperlichen Entwicklung. Auf psychischer Ebene haben Erkrankte anfangs ein positives Gefühl von Leichtigkeit, Kontrolle und Euphorie, die später in Gleichgültigkeit, Reizbarkeit und in eine depressive Stimmungslage übergehen kann. Die psychische Belastung bleibt aber oft nicht nur bei den Betroffenen selber, sondern geht auch auf die Familie über. Familiäre Bezugspersonen sind oft stark betroffen, haben Schwierigkeiten das Krankheitsbild und die Gedanken zu verstehen und leiden darunter, dass das Untergewicht in den meisten Fällen von Erkrankten nicht wahrgenommen wird.

Essstörungen

Ein Zusammenspiel mit Depressionen, Angststörungen oder Zwangserkrankungen besteht zwar, aber unter den Angaben existieren Abweichungen. Ein Zusammenhang mit Depressionen wird in 31% - 89% der Fälle angenommen, bei Angststörungen sind es 60% und bei Zwangserkrankungen wird ein Anteil von 5 – 37% angenommen. (Herzog et al., 1992 ; Thornton & Russell, 1997 & Bulik et al. 1997) Godart et al. (2007) nahm beispielsweise als Grund für die unterschiedlichen Angaben im Zusammenhang mit Depressionen eine fehlende Heterogenität und methodische Einschränkungen an. Ähnlich ist es mit Zwangserkrankungen. Godart et al. (2002) weist allerdings nochmal darauf hin, dass es aufgrund der derzeitigen Studienlage noch sehr schwer sei, ein Zusammenhang zwischen Angststörungen und der Anorexia nervosa zu geben. Bei der Hälfte der Erkrankten kommt es zur Heilung, in ca. 20% der Fälle zu einem chronischen Verlauf und 30% verbesserten ihren Zustand, zeigten jedoch noch Restsymptomatiken auf. Steinhausen, H.-C. (2002) bezieht für diese Angaben 119 Studien mit ~5000 Erkrankten mit ein. Das Sterberisiko ist deutlich erhöht und kann im Vergleich zu anderen psychischen Erkrankungen bis zu dreimal höher liegen. (Nielsen S., 2001)

Bulimie (Bulimie Nervosa)

Die Bulimie als eigenständiges Krankheitsbild wurde anfangs der 80er Jahre erstmalig beschrieben. Zuvor wurde sie als Form der Magersucht oder als unspezifische Essstörung verstanden. Eine Abgrenzung zur klassischen Magersucht erfolgt über das Gewichtskriterium. Bei der Anorexia nervosa muss ein definiertes Untergewicht vorliegen. Das Gewicht der Bulimie Erkrankten liegt meist im oder leicht unter dem normalen Bereich (Russell, 1979). Symptomatisch für das Krankheitsbild sind Essanfälle mit nachfolgendem Erbrechen, welches selbst herbeigeführt wird. Erkrankte befürchten durch die Essanfälle oft eine Gewichtszunahme und führen deshalb Maßnahmen zur Gewichtsreduktion im Anschluss an Essanfällen selbst ein. Zu den Maßnamen zählen neben dem Erbrechen, auch Diäten, Fasten, Vermeidung hochkalorischer Lebensmittel, der Missbrauch von Medikamenten oder übermäßige sportliche Betätigung. Essanfälle und gewichtsreduzierende Maßnahmen kommen dabei oft mehrmals die Woche vor. Gründe für die Erkrankung können genetische Faktoren (Strober et al., 2000), familiäre Einflüsse und die Entwicklung der Psyche in Kindheit und Jugend sein.

Problematisch bei der Erkrankung ist weiterhin, dass Betroffene unter einem geringen Selbstwertgefühl und einer depressiven Stimmung leiden. Gedanken kreisen häufig um die Figur und das Aussehen und Gedanken wie „nur wenn ich schlank bin, bin ich etwas wert...“ sind nicht selten. Die dabei selber festgelegte Gewichtsschwelle liegt meist unter dem, was in der Bevölkerung als normal angesehen wird. Ähnlich wie bei der Anorexia Nervosa sind Vorstellungen über Gewichtszunahme unvorstellbar und es findet sich auch hier ein Zusammenspiel mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angst – und Persönlichkeitsstörungen. Ein Zusammenhang mit Angststörungen treten zum Beispiel in 50 – 65% der Fälle auf, Casper (Casper, 1998) nahm dies mit Depressionen auch in 50 – 65% der Fälle an. Bei Persönlichkeitsstörungen zeigte Ro et al., 2005, ein Zusammenspiel von sogar 77 %. Aber auch hier zeigten sich stark voneinander abweichende Ergebnisse in Studien, die sich mit verschiedenen Methoden und Heterogenität begründen lassen.

Binge – Eating – Störung

Betroffene dieser Form der Essstörung leiden unter häufig auftretenden Essanfällen. Ähnlich wie bei der Bulimie ist ein Essanfall dadurch gekennzeichnet, dass in einem begrenzten Zeitraum (z.B. zwei Stunden) deutlich mehr gegessen wird, als von den meisten Menschen unter vergleichbaren Umständen. Charakteristisch ist, dass Betroffene bei „Essanfällen“, wie auch Bulimiker oft angeben, die Kontrolle über ihr Essverhalten verlieren und große Nahrungsmengen verzehren.

Im Unterschied zu Bulimie Erkranten werden bei dieser Form jedoch keine Maßnahmen zur Gegenregulation unternommen (Striegel-Moore et al. 2001). Weiterhin besteht häufig ein Unwissen über den genauen Beginn. das Ende des „Essanfalls“ und ab wann Betroffene die Kontrolle verloren haben (Williamson, 1999). Im Gegensatz zur Bulimie wird bei ihnen weniger ein gezügeltes Essverhalten beobachtet, um Gewicht zu halten oder zu reduzieren (Castonguay et al.,1995). Bei den Essanfällen zeigt sich eine Tendenz zum Überessen und die beginnen, weil Erkrankte unter „chaotischen“ Essgewohnheiten leiden (Guss et al., 2002; Hsu et al., 2002). Auch deshalb sind Fasten oder Diätphasen deshalb sinnvoll, um möglichst wieder Kontrolle über das Essverhalten zu erlangen und weniger vor dem Hintergrund der Gewichtszunahme (Haiman & Devlin, 1999). Des Weiterhin ist es möglich, dass ein Zusammenhang zwischen den Essanfällen und emotionalen Reizen, wie beispielsweise einer negativen Stimmungslage oder Leidensdruck, existiert (Greeno et al., 2000; Grilo, 2006). Dies ist aber nicht zwingend erforderlich. (Grilo et al, 2001)

Andere Formen der Essstörung

Neben den vorwiegend auftretenden und wohl bekanntesten Essstörungen, gibt es auch noch weitere Formen. Eine von diesen kann zum Beispiel die Einschränkung auf wenige „ gesunde“ Nahrungsmittel sein und die damit verbundene Vermeidung „ungesunder“ Nahrungsmittel. Für die Form wird der Begriff der Orthorexia Nervosa verwendet (Bratman & Knight, 2004). Erkrankte teilen dabei individuell die Lebensmittel in diese Kategorien ein. Ob es sich um eine Essstörung oder um einen „aufwendigen“ Lebensstil handelt, hängt vom Leidensdruck ab, den der Betroffene fühlt. Weiterhin kann auch ein psychogener Appetitsverlust eine Form der Essstörung darstellen oder „loss of control eating“ – Kontrollverluste während des Essens werden gespürt, ohne wirklich große Nahrungsmittelmengen zu sich zu nehmen (de Zwaan et al., 2007; de Zwaan et al., in press). An dieser Stelle sei auch nochmal angemerkt, dass es durchaus zu Überschneidungen innerhalb der Essstörungen kommen kann oder dass Erkrankte nicht alle Merkmale einer Essstörung aufweisen. Bei der atypischen Anorexia nervosa können beispielsweise trotz bewusst herbeigeführter Gewichtsreduktion Ängste vor dem zu dick werden fehlen. Bei der atypischen Bulimie fehlt zum Beispiel die Sorge um die Figur. Es ist auch durchaus möglich, dass es im Rahmen der Anorexie auch zu „Essanfällen“ kommen kann oder dass „Essattacken“ oder Erbrechen auch im Rahmen sonstiger psychischen Störungen auftreten können.

Weitere Ausführungen zu dem Thema Essstörungen folgen in meinem zweiten Teil über Essstörungen – Wenn Essen schwer oder gar unmöglich wird.

Mit sportlichen Grüßen

Daniel Ebenthal

(Gastautor)

Quellen/Literatur:
Bratman, S.; Knight, D. (2004): Health Food Junkies: Orthorexia Nervosa: Overcoming the Obsession with Healthful Eating, Broadway.
Bulik, C. M.; Sullivan, P. F.; Fear, J. L.; Joyce, P. R. (1997b). Eating disorders and antecedent anxiety disorders: a controlled study. Acta Psychiatr.Scand., 96, 101-107
Casper, R. C. (1998). Depression and eating disorders. Depression and anxiety, 8 Suppl 1, 96-104
Castonguay, L. G.; Eldredge, K. L.; Agras, W. S. (1995). Binge eating disorder: current state and future directions. Clin Psychol Rev, 15 (8), 865-90
de Zwaan, M.; Wolf, A.M.; Herpertz, S. (2007): Psychosomatische Aspekte der
Adipositaschirurgie. Deutsches Ärzteblatt, 104: 2577-2583
Godart, N. T.; Perdereau, F.; Rein, Z.; Berthoz, S.; Wallier, J.; Jeammet, P. et al. (2007). Comorbidity studies of eating disorders and mood disorders. Critical review of the
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Godart, N. T.; Flament, M. F.; Perdereau, F.; Jeammet, P. (2002). Comorbidity between
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Greeno, C. G.; Wing, R. R.; Shiffman, S. (2000). Binge antecedents in obese women with and
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Grilo, C. M.; Masheb, R. M.; Wilson, G. T. (2001). A comparison of different methods for
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Grilo, C. M.; Masheb, R. M.; Wilson, G. T. (2006). Rapid response to treatment for Binge
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Guss, J. L.; Kissileff, H. R.; Devlin, M. J.; Zimmerli, E.; Walsh, B. T. (2002). Binge size
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