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Essstörungen – Wenn Essen schwer oder gar unmöglich wird - Teil 3.1: Bulimie

Bulimievon Gastautor Daniel Ebenthal

Liebe BlogleserInnen – und Blogleser,

wie versprochen möchte ich mit diesem Artikel den Bereich der Behandlungssettings bei den einzelnen Formen der Essstörung erweitern.

In diesem Blog werden dazu Behandlungsmöglichkeiten einer Bulimie aufgezeigt.

Behandlungsziele

Die Behandlungsziele einer Bulimie sind eine Normalisierung des Essverhaltens und Bewältigung der zugrunde liegenden oder zur selben Zeit existierenden psychischen Probleme. Zu diesen zählen beispielsweise Depressionen, Suchterkrankungen und Persönlichkeitsstörungen.

Esstörung Bulimie

Behandlungsmöglichkeiten

Ambulante Behandlung

Die Mehrzahl der Bulimie Erkrankten kann ambulant behandelt werden. Wichtig ist vor allem, dass die Behandlung frühzeitig beginnt, um eine Chronifizierung zu vermeiden. Weiterhin empfiehlt es sich, eine Behandlung durchzuführen, die ambulant aus mindestens 25 Stunden besteht. Die 25 Stunden sollten so aufgeteilt werden, dass wöchentlich eine Stunde stattfindet. Sollte die Erkrankung stärker ausfallen, dann sind mehrere Sitzungen pro Woche erwünscht.

Teilstationäre Behandlung

Die teilstationäre Behandlung empfiehlt sich für Patienten, bei denen eine ambulante Therapie nicht mehr ausreicht, aber der Patient wünscht einen normalen Alltag zu leben. Dort kann er schwierige Situationen trainieren, hat aber dennoch die Möglichkeit auf Verständnis für seine Erkrankung zu treffen und kann schnell Hilfe bekommen.

Stationäre Behandlung

Es gibt nur wenige Studien, die eine stationäre Behandlung mit einer teilstationären Behandlung vergleichen. In deutschen Studien fanden Zeek et al. (2009), dass sich die Ergebnisse der beiden Behandlungssettings nicht wesentlich unterscheiden. Der Vergleich einer ambulanten Behandlung mit der stationären Behandlung auf Grundlage der kognitiven Verhaltenstherapie, führte zu dem Ergebnis, dass beide Behandlungsmethoden wirksam waren. Die stationäre Therapie führte allerdings zu wesentlich schnelleren Veränderungen (Williamson et al. 1989).

Dennoch gibt es Kriterien, bei der sich eine stationäre Behandlung empfiehlt.

Als Kriterien hierfür gelten:

  • Probleme, die neben der Bulimie auftreten (Suizidalität, schwere Selbstverletzung, Drogen – oder Alkoholmissbrauch
  • Hoher Schweregrad der Krankheit (stark entgleistes Essverhalten)
  • Keine zeitnahe ambulante Therapie
  • Ein Umfeld, welches die Therapie ambulant oder teilstationär nicht möglich macht bei gleichzeitig notwendiger ärztlicher Betreuung

In einem stationären Aufenthalt ist es wichtig, dass die Fachklinik ein Therapieprogramm besitzt, welches die Genesung ermöglicht.

In den drei aufgezeigten Behandlungssettings können unterschiedliche Psychotherapieangebote verrichtet werden.

Studienergebnisse wiesen die stärkste Wirkung für eine kognitive Verhaltenstherapie auf, aber auch andere Psychotherapieverfahren, wie die interpersonale Therapie oder psychodynamische Therapien, zeigten Wirkung. Bei der kognitiven Verhaltenstherapie wird in der ersten Phase in der Regel an dem gestörten Essverhalten gearbeitet. Es wird in der Therapie daran gearbeitet, wieder Kontrolle über das Essen zu bekommen. Dies geschieht mit Hilfe von verhaltenstherapeutischen Techniken. Zu diesen zählen die Selbstbeobachtung, der Aufbau eines regelmäßigen Essverhaltens und die Stimuluskontrolle. Weiterhin besteht diese Phase aus der Psychoedukation – der Schulung eines psychisch Kranken – zur Rolle von Diäten, zu Gewichtsregulation und zu Folgen angewandter kompensatorischer Verhaltensweise. In der zweiten Phase wird die Therapie stärker kognitiv ausgerichtet. In der Therapie findet überwiegend ein kognitives Umstrukturieren der verzerrten Einstellung zu Figur und Gewicht statt. Ein oft bestehendes verzerrtes Denkmuster („Ich kann nichts!“, „Bin nichts wert!“) gilt es für den Patient zu erkennen. Weiterhin werden die gewohnten Problemlösetechniken von damals angesprochen. Ebenso lernt der Patient mit Stress, Angst und Problemen im Alltag umzugehen.  Die dritte Phase beinhaltet primär die Aufrechterhaltung der Fortschritte und die Reduktion des Rückfallrisiko (Wilson et al., 1997). Ein oft unterschätzter Faktor ist die Familie. In einer Therapie ist es durchaus hilfreich, Familienmitglieder in die Therapie mit einzubeziehen, damit familieninterne Probleme aufgedeckt werden können und in der Therapie berücksichtigt werden.

Wenn Medikamente in einer Behandlung verwendet werden, dann sind es überwiegend Antidepressiva. Es gibt Untersuchungen, dass Antidepressiva positive Effekte bei einer Essstörungssymptomatik haben und zum anderen existiert häufig eine komorbide Depression. In Deutschland ist nur der Wirkstoff Fluoxetin zugelassen. Allerdings sind Antidepressiva nur in Verbindung mit einer Psychotherapie sinnvoll. Studien, die eine Einzeltherapie und eine Kombination von Antidepressiva und verglichen, zeigten die Tendenz, dass eine Kombination aus beidem einer psychotherapeutische Therapie nicht überlegen ist. Die Antidepressiva sind vielmehr dafür gedacht, belastende zeitgleich belastende Depressionen zu mindern.

Dose Peak Tryptophan

Nach einer erfolgreich abgeschlossenen Therapie bleiben Rückfalle dennoch nicht ausgeschlossen.

Quadflieg und Fichter (2003) fanden in ihren Untersuchungen heraus, dass etwa ein Drittel Rezidive und chronische Verläufe aufzeigen, wohingegen der Übergang zu anderen Essstörungen wie der Anorexia Nervosa oder der Binge Eating Störung eher selten sind. Herzog et al. (1999) führten dazu eine Untersuchung an 110 behandelten Patientinnen durch. Von ihnen konnten 73% genesen, allerdings zeigten auch 36% einen Rückfall. Der Untersuchungszeitraum betrug sieben Jahre. Bei der Aufrechterhaltung einer Bulimie spielen vor allem das Streben nach Perfektion, das negative Selbstbild, eine Überbetonung von Essen/Figur/Gewicht eine entscheidende Rolle. Weiterhin gelten Substanzmissbrauch, Übergewicht in der Vorgeschichte und eine geringe Behandlungsmotivation als negative Prädikatoren für den Verlauf. Auch häufige Essanfälle und Erbrechen zu Beginn einer Behandlung gingen mit einem schlechteren Therapieergebnis einher. Fisher et al. (2003) bewiesen in ihrer Studie, dass eine Bulimie leichter zu behandeln ist, wenn sie im Jugendalter prognostiziert wird und nicht erst im Erwachsenenalter. Es zeigt sich auch in dieser Essstörung, dass die Motivation für eine Genesung von dem Patienten selber kommen muss, um auch erfolgreich therapieren zu können.

Fazit

Wie wir in diesem Artikel erfahren haben, spielt auch für einen mit der Erkrankten der Bulimie eine frühzeitige Behandlung eine wichtige Rolle. Die Behandlungssettings sind im Vergleich zu einer Anorexia Nervosa gleich. Allerdings zeigt sich, dass bei einer Bulimie die ambulante Therapie bereits einen großen Erfolg verspricht. Rückfälle sind allerdings weder in einer ambulanten, noch in einer teilstationären oder in einer stationären Therapie ausgeschlossen.

 

Mehr zu dem Thema Essstörungen:

 

Literatur:

Fisher, M. (2003). The course and outcome of eating disorders in adults and in adolescents: a review.Adolescent Medicine (Philadelphia, Pa.), 14,149-158.

Herzog, D. B.; Dorer, D. J.; Keel, P. K.; Selwyn, S. E.; Ekeblad, E. R.; Flores, A. T. et al.(1999). Recovery and relapse in anorexia and bulimia nervosa: a 7.5-year follow-up study. J.Am.Acad.Child.Adolesc.Psychiatry, 38,829-837

Iris Absenger: Die verkörperte Essstörung. Anorexie - Bulimie - Adipositas; Erleben erleiden. Umfassender Therapieüberblick und ein Körperausdrucksmodell, Centaurus, Herbolzheim 2005, ISBN 3-8255-0520-0.

Quadflieg, N.; Fichter, M. M. (2003). The course and outcome of bulimia nervosa. Eur.Child.Adolesc.Psychiatry, 12,99-109

Williamson, D. A.; Prather, R. C.; Bennett, S. M.; Davis, C. J.; Watkins, P. C.; Grenier, C. E. (1989). An uncontrolled evaluation of inpatient and outpatient cognitive-behavior therapy for bulimia nervosa.Behavior modification, 13,340-360

Wilson, G. T.; Fairburn, C. G.; Agras, W. S. (1997). Cognitive-Behavioural Therapy for Bulimia nervosa. In D.M.Garner & P. E. Garfinkel (Eds.), ( New York: Guilford Press.

Zeeck, A.; Weber, S.; Sandholz, A.; Wetzler-Burmeister, E.; Wirsching, M.; Hartmann, A. (2009). Inpatient versus day clinic treatment for bulimia nervosa: a randomized trial.Psychotherapy and psychosomatics, 78,152-160